Dark Ages

Ein Problem der Mediävisten? Von Iulia Malaspina

Neulich war ich daran, mich mit einer bestimmten Periode des Mittelalters auseinanderzusetzen. Ich versuchte, zu rekonstruieren, was in einem bestimmten Land in zwei besonders dunkeln Jahrhunderten passiert ist. Dunkel waren diese Jahrhunderte, weil sie fast nichts hinterlassen haben – nämlich:

  • Eine schriftliche Quelle – eine! In zweihundert Jahren… – die zudem total verworren ist und in apokalyptischen Tönen von Katastrophen, Seuchen und Unglücken spricht.
  • Ein paar Knochen hier und da, die zudem auf tausend verschiedene Weisen begraben sind.
  • Ein Paar Glasscherben und zwei oder drei Broschen. Das war’s.
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Wir streiken auch für die vergangenen Generationen

Heute streiken schweizweit Frauen für mehr wirtschaftliche Gleichheit. Eine gute Gelegenheit auf die Vergangenheit zurückzublicken. Im Gespräch mit meiner Mutter und Grossmutter habe ich mich auf eine ganz persönliche Zeitreise begeben. Von Mara Dieterle

Als ich vor gut drei Wochen meine Grossmutter fragte, ob sie mir ein wenig aus ihrem Leben erzählen wolle, war ihre Antwort – ganz in manierlicher Bescheidenheit – «Ja, erzählen kann ich schon, wenn du das möchtest». Ich glaube, ich habe sie mit meiner Idee etwas überrumpelt. Aber der Gedanke ging mir einfach nicht mehr aus dem Kopf: Am 14. Juni wird wieder gestreikt – für Lohngleichheit, die Anerkennung von Sorge- und Pflege-Arbeit und weil es nach wie vor in vielen Bereichen mit der Gleichstellung der Geschlechter zu langsam voran geht. Während ich diese Anliegen teile, umtreiben mich als Geschichtsstudentin vor allem auch folgende Fragen: Wie war es früher? Was hat sich verändert?

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Wenn frau will, steht alles still.

Ein historischer Rückblick zum Frauenstreik. Von Fabienne Lehmann

Heute vor genau 28 Jahren, riefen Frauen in der Schweiz das erste und seither letzte Mal zum nationalen Streik auf. Zu Tausenden bevölkerten sie öffentliche Plätze in den Städten, zogen in violetten Strömen durch die Strassen und zwangen das alltägliche Treiben zum Stillstand. Dieser Frauenstreik war die grösste politische Mobilisierung, die seit dem landesweiten Generalstreik von 1918 in der Schweiz stattgefunden hatte. Ein kurzer Rückblick auf diesen Tag soll aufzeigen, weshalb und wofür die Frauen damals auf die Strasse gingen.

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„Wer braucht diese Maske?“

Wie die Restitutions-Debatte zu einer Diskussion über unser globales Selbstverständnis führen könnte – ein Besuch im Museum der Kulturen in Basel. Von Céline Burget und Christina Zinsstag

Begibt man sich auf einen Gang durch die Ausstellung Wissensdrang trifft Sammelwut des Museums der Kulturen in Basel, überrascht mitten unter den bunten Exponaten eine leere Fläche. Der beiliegende Text erklärt, dass hier ein tjurunga ausgestellt werden sollte. Ein Objekt aus Zentral-Australien, welches von den Arrerente, der Herkunftsgemeinschaft, als geheim und heilig gehandelt wird. Deswegen hat das Museum beschlossen, das Objekt zu thematisieren, ohne es zu zeigen.
Im Rahmen dieser Ausstellung fand am 5. Juni unter dem Titel Wer braucht diese Maske? eine Führung mit anschliessender Podiumsdiskussion statt. An der Diskussion beteiligt waren die Museumsdirektorin Dr. Anna Schmid, Prof. Dr. Elisio Macamo (Universität Basel) und Prof. Dr. Gesine Krüger (Universität Zürich). Zwei Mitglieder der Redaktion nahmen an der Veranstaltung teil und berichteten aus gegebenem Anlass von den Überlegungen und Eindrücken des Abends.  

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Warum die Uni Basel die beste Universität der Welt ist

Ein kritischer Essay über Uni-Rankings und ein Plädoyer für die Alma Mater Basiliensis. Von Oliver Sterchi

Willkommen an der besten Universität der Welt», pflegte der ehemalige Basler Rektor Antonio Loprieno bei seiner Begrüssungsansprache an die neuen Erstsemester in der Aula jeweils zu sagen. Diese Formulierung liess die Studierenden im Saal aufhorchen: «Echt jetzt, die beste Uni der Welt?!» Ungläubig schüttelten viele den Kopf. «So ein Quatsch!».

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Weshalb Jetzt-Zeit?

Einige Erläuterungen zur Herkunft des Begriffs. Von Christina Zinsstag

Das Jetzt steht für einen Moment, der keine Dauer hat. Es ist, in der Logik der linearen Zeit, Teil einer ewigen Abfolge der immer gleichen leeren Einheiten, nie wirklich, nie vollständig da, sondern immer schon gewesen oder kommend. Es markiert einen ständig schwindenden Übergang von Vergangenheit und Zukunft. Folgen wir dieser Logik, so muss gefragt werden, ob so etwas wie das ‚Jetzt‘ überhaupt existiert[1]. Doch das Jetzt ist keine leere, vorübergehende Einheit, sondern hochkomplex, denn es ist die Prämisse für unsere zeitliche Verordnung: Es markiert den Punkt von welchem aus andere Zeit-Modi gedacht werden können, es setzt den zeitlichen Gesichtspunkt, von welchem aus Vergangenheit und Zukunft überhaupt erst sichtbar werden. Deshalb existiert nichts ausserhalb des Gegenwärtigen, sondern ist nur darin enthalten[2]. Auch die Perspektive der Historikerin[3] ist immer geprägt von ihrem Jetzt und wird so selbst zu einem Gegenstand der Geschichtswissenschaft.

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Die Nation malen

Wie Jan Matejko mit seinen monumentalen Gemälden die Vorstellungen von der polnischen Geschichte prägte. Von Oliver Sterchi

Es gilt als das bekannteste Gemälde Polens: Jan Matejkos Schlacht bei Grunwald (polnisch: Bitwa pot Grunwaldem). Das monumentale Bild entstand 1878, ist über vier Meter hoch und über neun Meter breit und hängt heute an prominenter Stelle im Nationalmuseum in Warschau, wo es täglich von unzähligen polnischen Schulklassen betrachtet wird. Keine Hauptstadt-Exkursion ohne einen Besuch im Künstlerpantheon der Nation. Matejko, der vornehmlich in Krakau wirkte, verarbeitet in seinem Gemälde die historische Schlacht von Grunwald im Jahre 1410, bei der die Truppen des polnischen Königs Wladyslaw II. Jagiello den Deutschen Orden unter dem Kommando Ulrichs von Jungingen besiegten.

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Wenn der Nachhaltigkeits-Gedanke im Seminar aufhört

Die Universität hat sich der Schaffung einer besseren (Um)welt verschrieben. Dabei ist sie jedoch alles andere als konsequent. Von Florian Zimmermann

Wer sich einmal im Frühlingssemester im Café des Kollegienhauses verpflegt hat, dem wird nicht entgangen sein, welchen Wandel dieses kleine Bistro in relativ kurzer Zeit durchlaufen hat. Am Kaffeeautomaten klebt ein laminierter Zettel mit dem dezenten Vorschlag, der Koffeinbedürftige könne natürlich auch seine eigene Tasse mitbringen und auf diese Weise zum Umweltschutz beitragen. Das frühere Plastikbesteck wurde durch Gabeln und Löffel aus biologisch abbaubarem Material ersetzt.

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Effizient schreiben leicht gemacht

Was tut man eigentlich mit seinen alten Seminararbeiten? Ein Versuch über eine mögliche Art der Wiederverwertung. Von Emmanuel Heman

Das Schreiben von Proseminar- und Seminararbeiten verlangt bekanntlich eine hohe Frustrationstoleranz: Man betreibt jede Menge Aufwand und gelesen werden die Texte vielleicht von einer knappen Handvoll gutmütiger Menschen – wenn man Glück hat. Anschliessend wandert der Stapel Papier in der Regel schnell in die Schublade. Dafür weiss man am Ende, dass man im Falle einer akademischen Karriere schon fleissig geübt hat. Dabei wäre so viel Übung wahrscheinlich gar nicht nötig.

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Gault Mensa: Staubtrockene Falafel und andere Monstrositäten

Eine Polemik gegen Mensa-Essen, das viel verspricht und wenig einhält. Von Luca Thoma

Wer kennt sie nicht, unsere liebe SV-Mensa an der Bernoullistrasse? Eines jeden Studenten Tagesablauf dreht sich schliesslich um das ausgedehnte Mittagsmahl. Und wenn der Magen knurrt, bietet sie sich oft als günstige und naheliegende Alternative an.

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