Die Straße São Paulos im schweizerischen Architekturmuseum

Vom Steinenberg, über die Holzrampe, durchs Fenster, direkt hinein ins Schwimmbad von São Paolo. Von hier aus kann in die „Access for all“ Ausstellung im S AM Schweizerischem Architekturmuseum eingetaucht werden. Fotografien, Filmbeiträge, Architekturpläne, Zeichnungen, Modelle und Interviews zeigen hier die sozialen Infrastrukturen São Paulos. Von Sarah Sauter

Tritt man durch den massiven Vorhang, findet man sich auf der Strasse São Paolos wieder. Links und rechts ragen «die Gebäude» auf und am anderen Ende sieht man schon die Menschen, welche weiter in Richtung Innenstadt laufen. So wirkt es jedenfalls. Der Raum scheint sich durch den strassen-ähnlichen Aufbau und durch das Bild am anderen Ende des Raumes unendlich zu erweitern und wird zu einem direkten Weg hinein in die Megacity.

Die brasilianische Metropole investiert seit Jahrzehnten in neue architektonische Bauwerke, um damit die Enge der Millionen Stadt zu kompensieren. Durch die Ausstellung wird den Besucherinnen und Besuchern ein Einblick in die Gebäude und Infrastrukturbauten geboten, welche den Menschen in São Paolo einen Raum für Kultur, Erholung und Sport bieten. Durch die detailreichen Modelle, welche von den Architekturstudentinnen und Studenten des 3. Semesters der FHNW angefertigt wurden, soll auf den Einfluss der Gebäude auf den öffentlichen Raum aufmerksam gemacht werden. Durch die aufwendig gestalteten Zeichnungen, Texte und Architekturpläne sehen die Besucherinnen und Besucher eine neue Perspektive der modernen Architektur Brasiliens. Die plastischen Darstellungen der Gebäude und der Menschenlassen die Besucherinnen und Besucher den Trubel der Grossstadt spüren. Man kann das Lachen der Kinder auf dem Karussell fast hören, die Spritzer des Wassers auf der Haut spüren oder die Gewürze auf dem Markt nahezu riechen. Die Modelle werden zum Leben erweckt.Die Besucherinnen und Besucher können in den „Stimmungsmodellen“ durch ein kleines Loch, in einer unscheinbaren Kartonbox, in das Innere der Gebäude blicken. Durch das aufwendig gestaltete Innenleben, mit stimmungsvollem Licht, akkurat platzierten Figuren in bepflanzten Innenhöfen oder lichtdurchfluteten Bibliotheken, blicken die Besucherinnen und Besucher hier im wahrsten Sinne des Wortes direkt nach São Paolo. 

Sehnsucht nach Öffentlichkeit

Man hört die rhythmische Musik der Tanzenden in den Ohren und möchte am liebsten durch das kleine Loch schlüpfen und mit ihnen zusammen auf dem kleinen Bahnsteig die Musik genießen. Möchte selbst in der Bibliothek sitzen, das nächste gute Buch beginnen und in einer Pause durch den bepflanzten Innenhof schlendern.

Der Anblick löst Sehnsucht aus. Sehnsucht sich wieder in der Öffentlichkeit zu bewegen und mit anderen Menschen zusammen zu leben. Unbeschwert Samstagsmorgens in die Große Halle des Marktes zu gehen und sein Gemüse einzukaufen oder zusammen mit den liebsten auf dem Bahnsteig auf das nächste Abendteuer zu warten. 

Im letzten Raum der Ausstellung werden die Konzepte von São Paolo weiterinterpretiert und auf den größten und wichtigsten öffentlichen Raum der Stadt Basel, den Rhein, übertragen. Die Modelle der Studenten schaffen neue Orte des Aufenthalts und der Gemeinschaft für die Basler Bevölkerung und zeigen so neue Perspektiven auf, wie öffentlicher Raum genutzt werden kann. Dies regt zum Nachdenken an. Wie nutzen wir heute den Raum in Basel? Was verändert sich durch die Pandemie?

Die Ausstellung schafft es auf diese Weise mit gekonnt eingesetzten Modellen, Fotografien und Zeichnungen den Besucherinnen und Besuchern nicht nur die sozialen Infrastrukturen São Paolos näher zu bringen, sondern widerspiegelt gleichzeitig auch die Stimmung der Megacity und gewährt den Besucherinnen und Besuchern so, wenigstens eine kleine Reise in Zeiten der Pandemie, in eine brasilianische Großstadt. 

Quelleangaben 

[1] S AM Schweizerisches Architekturmuseum. „Access for all. São Paolos soziale Infrastrukturen”. URL: https://www.sam-basel.org. Zuletzt geöffnet am: 23.03.2021.

[2] Fachhochschule Nordwestschweiz. «Kooperation des Instituts Architektur mit dem S AM». URL: https://www.fhnw.ch/de/die-fhnw/hochschulen/architektur-bau-geomatik/institute/institut-architektur/events/ausstellung-access-for-all. Zuletzt geöffnet am: 23.03.2021.