Semper Apertus!

Die Öffnungszeiten der Unibibliothek sind eine Zumutung. Es wird Zeit, das Modell grundsätzlich zu überdenken. Von Oliver Sterchi

Wer schon ein bisschen länger Geschichte studiert, der weiss: Die Universitätsbibliothek ist der Dreh- und Angelpunkt des universitären Lebens. Während Erstis mit überfüllten Stundenplänen von einem Proseminar zum nächsten rennen, sitzen fortgeschrittene BA- und MA-Studierende vornehmlich in der Bib. Dort werden Arbeiten geschrieben, Bücher gelesen, Gedanken ent- und verworfen, Vorträge vorbereitet — kurzum: In der Bibliothek findet die Denk- und Schreibarbeit statt, die für das Studium an einer humanwissenschaftlichen Fakultät zentral ist.

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Eine neutrale Sprache gibt es nicht

Überlegungen zur Verwendung des generischen Femininum in schriftlichen Arbeiten – einige Argumentationslinien. Von Florian Zoller und Christina Zinsstag

Mit dem generischen Femininum ist die konsequente Verwendung des weiblichen statt des männlichen Substantives in Texten gemeint. Dies soll nicht heissen, dass männliche Nomen verweiblicht werden (etwa statt „der Roboter“ „die Roboterin“), sondern, dass beispielsweise bei Berufsbezeichnungen nicht nur die männliche, oder die weibliche und die männliche Form, sondern ausschliesslich die weibliche Form für alle Geschlechter verwendet wird. Dieser Artikel ist das Ergebnis einer schriftlich geführten Pro-und-Contra-Debatte zwischen den Autorinnen.

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Kann ein historischer Roman als Quelle dienen?

Auch literarische Texte bringen uns vergangene Lebenswelten näher. Doch was taugen sie in wissenschaftlicher Hinsicht? Von Sarah Durrer

Ein livrierter Liftboy und eine Fassade im modernen Sezessionsstil entführen Gäste des Hotels Savoy in Łódź auch heute noch in die Zwischenkriegszeit Polens. In einer ruhigen Seitenstrasse der geschäftigen Ulica Piotrkowska gelegen, bietet das Hotel Liebhabern originalgetreu eingerichteter Zimmer eine optimale Unterkunft. An die Zeit des Kabaretts Bi-Ba-Bo unter Mitarbeit von Julian Tuwim erinnert der heute zweckmässig eingerichtete Speisesaal jedoch nicht. Und dass das heute etwas verschlafene Hotel als Kulisse für einen spannenden Roman gedient hat, erschliesst sich dem heutigen Hotelgast auch nicht auf den ersten Blick.

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Wenn Geschichte mit Beton neu geschrieben wird

In Nordmazedonien beschwört die Elite die vermeintliche antike Vergangenheit des Landes und baut die Hauptstadt um. Ob das gut geht? Von Tomas Marik

In letzter Zeit erleben wir immer häufiger, wie geschichtliche Fakten im öffentlichen Raum simplifiziert, umgedeutet oder sogar verfälscht werden. Es findet sich auch manch ein europäischer Politiker, der fordert, dass diese abstrusen Geschichtsauslegungen in den Schulunterricht eingebaut werden sollen. So äusserte sich Björn Höcke (AfD) zur deutschen Bewältigungspolitik: „Wir brauchen nichts anderes als eine erinnerungspolitische Wende um 180 Grad.“

In Russland wurde sie bereits zum Teil umgesetzt. So erleben wir von Neuem einen Stalinkult. Nach einer Umfrage des russischen Lewada-Instituts bekommt Josef Stalin in der Kategorie „herausragendste Persönlichkeit aller Zeiten“ den ersten Platz zugewiesen, und überholt so Vladimir Putin und Peter den Grossen.

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Wohnen zwischen Chaos und Freundschaft

Halb verfaulte Avocados im Spülbecken? Ach was! Das Leben in einem Studentenwohnheim macht trotzdem Spass. Von Carina Basig

Wie man sich das Leben im Studentenheim vorstellt: Chaotisch, schmutzig, laut. Der Chemiestudent tanzt in der Küche zwischen ungewaschenem Geschirr mit der eben neu eingezogenen, hübschen Asiatin. Ein paar Geisteswissenschaftler grölen auf dem Sofa und trinken Bier und der Jurist kontrolliert zum dritten Mal mit ungeduldigem Blick auf seine Uhr ob er sein Essen nicht doch jetzt schon aus der Mikrowelle holen kann, um diesem Irrsinn zu entfliehen. Irgendwo in einer Ecke sitzt schliesslich immer irgendjemand, der gerade erst frühstückt, während die anderen schon wieder feiern.

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Kritische Anmerkungen zur «unpolitischen» Flüchtlingspolitik der Universität Basel

Die Uni hat sich der Gleichberechtigung verschrieben. Was Geflüchtete betrifft, ist sie jedoch noch weit davon entfernt. Von Fabienne Lehmann

Jeder hat das Recht auf Bildung». So steht es in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte von 1948, Absatz 26. Dieser Grundsatz scheint selbsterklärend, ja in einem stabilen demokratischen Rechtstaat wie der Schweiz selbstverständlich. Doch kann die Universität Basel tatsächlich von sich behaupten, diesem Prinzip gerecht zu werden? Gerade den zweiten Teil dieses Absatzes, den ich im Folgenden noch erläutern werde, scheint die Uni Basel besonders im Umgang mit Geflüchteten mit akademischem Hintergrund keineswegs so umzusetzen.

Hier also ein kurzer Überblick darüber, mit was für Hürden und Stolpersteinen geflüchtete Menschen auf dem verwegenen Trampelpfad der akademischen «Gleichberechtigung» zu kämpfen haben und was die Universität Basel dabei für eine Rolle einnimmt.

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Wo kommen plötzlich diese Zwiebeltürme her?

In seinem Buch «Retroland» untersucht der Historiker Valentin Groebner verschiedene Formen von Geschichtstourismus. Ein Genuss. Von Luca Thoma

«Dieser Ort ist eine Zeitkapsel».[1] Tourismus boomt. Ein grosser Teil der Branche stützt sich auf Angebote, die vorgeben – einer Zeitkapsel ähnlich – Geschichte zu präservieren und den geneigten Besucher an authentische historische Orte zu führen, wo dieser in die Vergangenheit eintauchen darf.

Doch gibt es sie überhaupt, die eine Geschichte? Und wie authentisch sind Orte wie die Luzerner Altstadt oder die Notre-Dame-Kathedrale in Paris, die im Laufe der Geschichte vielfältig modifiziert und angepasst wurden? 

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