Jungparteien-Fragekette: Junge Grünliberale Beider Basel zur Kernenergie in der Schweiz

Jungfreisinnige Basel-Stadt möchten von den Jungen Grünliberalen Beider Basel wissen: Wie ordnet ihr, unter Berücksichtigung der IPCC-Berichte, die Rolle der Kernenergie in der globalen und schweizerischen Energieversorgung der nächsten Jahrzehnte ein und folgen daraus nötige Anpassungen der Gesetzgebung in der Schweiz, z.B. die Aufhebung des Bauverbots neuer Kernkraftwerke der vierten Generation?

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Antwort verfasst von Nicolas Neuenschwander, Präsident der Jungen Grünliberalen Beider Basel

Die Kernenergie kann gemäss ICCP einen Beitrag zur Reduktion der Treibhausgase in unserer Atmosphäre leisten.[1] Dies jedoch nur im direkten Vergleich mit einer kohlenbasierten Energiegewinnung. Grundsätzlich ist jede Reduktion der Treibhausgase zu begrüssen, im Falle der Kernenergie gibt es jedoch mehrere grosse ABER, auf die wir im Folgenden gerne eingehen.

Kostenwahrheit

Erstens, der Markt spricht gegen den Bau von neuen Kernkraftwerken ungeachtet deren Generation. Es gibt keine Versicherung, die ein neues Kernkraftwerk versichern würde, die möglichen Risiken sind schlicht zu gross und nicht genau definierbar. Wir würden also gegen den Markt arbeiten und uns einen weiteren Schritt weg von der dringend benötigten Kostenwahrheit im Energiemarkt bewegen. Unter Annahme einer Kostenwahrheit sind nämlich bereits heute die erneuerbaren Energien (Wind, Sonne, Wasser, Geothermie) deutlich billiger als ihre Konkurrenten. 

Sicherheit

Zweitens basieren heutige Nuklearreaktoren, auch die in der Frage angesprochenen Reaktoren der 4. Generation, weiterhin auf einer selbsterhaltenden Kettenreaktion. Dies bedeutet, dass die Reaktion, wenn einmal in Gang gesetzt, nicht kontrollierbar ist und daher das Risiko einer Katastrophe nie ausgeschlossen werden kann. Ebenfalls ist die Frage der Endlagerung des hochradioaktiven Abfalls mit sehr langen Halbwertszeiten weiterhin ungelöst. Erstaunlich ist doch, dass gerade Parteien, die einen haushälterischen Umgang mit finanziellen Ressourcen fordern und sich gegen Staatsverschuldung zu Gunsten kurzfristigem Wohlstand aussprechen, bei der Stromenergie genau das Gegenteil tun. Grundsätzlich kann jede Person selbst entscheiden, für sich ein Risiko einzugehen. Anders ist es, wenn wir, für unseren heutigen Wohlstand unsere Kinder und Enkelkinder verschulden oder für unseren heutigen Komfort die kommenden 25‘000 Generationen gefährden.

Zeitachse

Drittens haben die Ereignisse um europäische Kernkraftwerke (Hinkley Point C. Olkiluoto 3) gezeigt, dass zwischen Auftragsvergabe und kommerzieller Nutzung mindestens 20 Jahre liegen. Das verdeutlicht, dass der Bau von neuen Reaktoren keinesfalls zur kurzfristigen Sicherung der Schweizer Energieversorgung beiträgt, im Gegenteil auch langfristig würde der Zubau von Nuklearreaktoren unsere Abhängigkeit in der Energieversorgung erhöhen. Schlimmer, die dazu benötigten Ressourcen stammen aus Ländern, deren Zuverlässigkeit und Vertragstreue meist als höchst zweifelhaft eingestuft werden muss.

Weg in die Zukunft

In der Konklusion lösen auch die Reaktoren der 4. Generation obige Probleme nicht. Kleiner ist nicht gleich sicherer. Die technologischen Probleme der Kernenergie bleiben nach wie vor ungelöst. Sollten sich die jungen Grünliberalen je für eine Nutzung der Kernenergie aussprechen, müssten folgende Problembereiche gelöst sein:

          Die Technologie müsste intrinsisch sicher sein, also ohne selbsterhaltende Kettenreaktion auskommen

          Alle entstehenden und verwendeten Elemente müssten eine kurze Halbwertszeit haben.

          Die Gefahr der Proliferation muss gebannt sein.

Zusätzlich müsste eine zukünftige Atomenergietechnologie ökonomisch konkurrenzfähig sein.

Unter diesen Voraussetzungen scheint es äusserst unwahrscheinlich, dass in der Schweiz ein Ausbau der Kernenergie vorgenommen werden sollte, ganz im Gegenteil. Um unsere Energieversorgung in der Zukunft nachhaltig zu sichern und gleichzeitig die Abhängigkeit von autoritären Regimen zu minimieren, führt kein Weg an einem Ausbau der Erneuerbaren Energien vorbei. Mittels Solar- und Windoffensive, die unser Parlament bereits beschlossen hat und zukunftsfähigen Technologien wie Power-to-X, einer Digitalisierung unseres Stromnetzes mit dem Ziel der Effizienzsteigerung (Smart Grid) existieren sichere Alternativen zu einem Ausbau der Kernenergie. 

Abschliessend bleibt festzuhalten, dass die Zukunft den erneuerbaren Energien gehört. Denn selbst wenn das Bauverbot aufgehoben werden sollte, was wir keinesfalls begrüssen, bleibt immer noch die Frage nach dem Artikel 13 im Kernkraftgesetz, nämlich dass der Schutz für Mensch und Umwelt sichergestellt sein muss. Die Diskussion um neue Reaktoren ist daher der Energiewende und der sicheren Energieversorgung eher schädlich als nützlich. Anstelle über Technologien zu diskutieren, die vielleicht in 20-30 Jahren einen Beitrag zu unserer Energieversorgung leisten könnten, müssen wir die bereits vorhandenen Alternativen zu Öl und Gas nutzen und fördern. Nur so sichern wir die Schweizer Energieversorgung der Zukunft.

Jungparteien-Fragekette: Nächste Runde

Bei der Jungparteien-Fragekette stellt in einer zufällig festgelegten Reihenfolge immer eine Jungpartei eine Frage an die nächste Jungpartei. Die befragte Partei darf ihre Antwort auf die Frage bei JetztZeit publizieren und der nächsten Partei in der Kette eine Frage stellen. In der nächsten Ausgabe der Jungparteien-Fragekette am 03.10.2023 wollen die Jungen Grünliberalen von der JUSO wissen:

“Wie steht ihr dazu, dass das Mieterschutzrecht in unserem Kanton mit seinem Fokus auf Bestandesmieten es besonders schwierig macht, für junge Menschen in unserem Kanton bezahlbaren Wohnraum zu finden ohne in die umliegenden Kantone zu ziehen und so zusätzliche Pendelemissionen zu verursachen und wie denkt ihr wirkt sich das auf die Attraktivität unserer Universität aus?”


Bereits veröffentlichte Artikel aus der Fragekette
Jungfreisinnige zur globaler Klima- und Menschenrechtsverantwortung der Schweiz

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