«Aus dem OFF» Ein Kommentar zu Hotel-Horrorfilmen

Ein dunkler Kinosaal. Alles ist still. Eine junge Frau geht nachts allein durch die schwach beleuchteten Korridore eines im Wald abgelegen liegenden Hotels. Sie begibt sich zum Schwimmbad – sind seltsame Geräusche zu hören? Nach einigen Runden im Pool geht sie in den Umkleideraum. Sie bemerkt, dass ihr Glücksbringer, eine Kreuzkette, fehlt und ihre Brille zerschlagen wurde. Doch eigentlich sollte niemand ausser ihr im Schwimmbad sein… Von Isabel Rosales de los Reyes

Diese Szene stammt aus dem Film «Hotel» von Jessica Hausner. Der Film wurde im Rahmen des Seminars «Aus dem OFF» im Stadtkino angeschaut. In diesem Text kommentiere ich zwei Fragen, die ich mir bei Horrorfilmen stelle: Was hat es mit dem Hotel als dramaturgischen Ort auf sich? Und warum begeben sich Figuren in Horrorfilmen in offensichtlich unheimliche Situationen, ohne die möglichen Konsequenzen zu sehen?

Im Frühjahrssemester dieses Jahres organisiert das Fach Medienwissenschaften ein Seminar rund um das Thema Hotelfilme und wie man diese kritisiert. Sinn des Seminars ist es die vielfältige Dramaturgie der Grand Hotels kennenzulernen und letztendlich zu analysieren. Dabei besuchen wir Studierende einen Monat lang das Stadtkino, welches den ganzen April den Hotelfilmen widmet. Grund der Zusammenarbeit ist das Symposium gegen Ende des Monats «Ungenierte Unterhaltungen. Mit Frida Grafe im Grandhotel», welches in Zusammenarbeit mit dem Seminar für Medienwissenschaften geplant wurde.

Es ist Montag, 11. April, 19 Uhr: Wir, die Studierenden aus dem Seminar treffen uns, um den ersten Hotelfilm im Stadtkino anzuschauen. Wie in der Einleitung verraten, ist der Filmtitel gleichnamig wie die ganze Sparte. Er trägt den knappen Namen «Hotel» und ist ein österreichischer Film aus dem Jahre 2004, unter der Regie von Jessica Hausner. Eine interessante Filmwahl, zumal das Stadtkino ihren Themenmonat als «Dramaturgien eines paradiesischen Ortes» betitelt. Im Film «Hotel» hat jener Ort jedoch nichts Paradiesisches an sich.

In Jessica Hausners Film wirken die klassischen Stilmittel eines typischen Hotel-Horrorfilms besonders stark. Die Protagonistin Irene, gespielt von Franziska Weisz ist ein junges, naives und zurückhaltendes Mädchen, welches als neue Rezeptionistin eingestellt wird. Das Hotel hat einen dunklen Keller, ein Schwimmbad, welches nie benutzt wird, unheimliche Treppen und Gänge und ist umringt von einem noch unheimlicheren Wald, in dem es Übernatürliches geben soll.

Am Anfang des Textes habe ich eine Szene aus dem Film beschrieben, einen Moment der Protagonistin, in welchem sie allein ins Schwimmbad geht. In Anbetracht der klassischen Stilmittel ist diese Handlung sicherlich bewusst so gewählt. Während des ganzen Filmes geht es darum, der Protagonistin dabei zuzuschauen, wie sie sich in alle möglichen gefährlichen Situationen begibt. Die Stille und die langen Kameraaufnahmen tragen zur unheimlichen Stimmung bei. Auch die Farben; das satte Rot, und die Gemütslage der Angestellten sagen etwas Ungutes voraus. Eine der eindrücklichsten Szenen zeigt Irene, wie sie in ihrer auffallenden, roten Hoteluniform nachts durch den Korridor am Pool vorbei geht und dann die knarrenden, dunklen Treppen nach oben steigt.

Warum sich die Protagonistin in zwielichtige Situationen begibt, kann letztendlich nicht beantwortet werden, ausser dass es nun mal das Genre des Horrors ist. Jessica Hausner spielt vielleicht bewusst mit diesen Stilmitteln, um dem klassischen Horrorfilm gerecht zu werden und uns als Zuschauerinnen und Zuschauer vollkommen in die Handlung eintauchen zu lassen.

Filmszene aus Jessica Hausner «Hotel»

Doch weswegen fühlen wir Unbehagen und Angst bei solchen Szenen und wieso löst kaum ein Ort wie das Hotel so viel Horror aus?

Dazu habe ich zwei Thesen entwickelt: Ein Aspekt ist die Privatheit des Hotels. Die Besucher/innen benutzen diese Räumlichkeit nicht nur als Ferienort, sondern auch als Rückzugsort aus dem privaten Leben. Das Hotel beherbergt verschiedenste Menschen aus allen möglichen Gründen, die sich alle fremd sind. Somit ist es ein idealer Ort für eine Horrorgeschichte. Die Zimmer, in denen ein Mord geschieht, werden zu verfluchten Orten.

Ein weiterer Aspekt sind die Repetitionen der Horrortat als filmisches Stilmittel. So funktioniert die Storyline von «Shining» (ein weiterer Film aus der Hotelfilmreihe). Stanley Kubricks Handlung basiert auf sich wiederholenden Mordtaten im Hotel. Ähnlich wie bei Hausners «Hotel» warten die Zuschauerinnen und Zuschauer voller Anspannung darauf, dass sich die Gräueltat wiederholt.

Was ebenfalls zur melancholischen Stimmung bei «Hotel» führt, ist die Tatsache, dass das Hotel nie von aussen gezeigt wird. Im Kinosaal wirkt es, als würde der Film einen einengen und keine Orientierung zulassen. Eine Flucht ist ausgeschlossen. Auch hier gibt es Ähnlichkeiten zu Kubricks «Shining». Zwar wird das Hotel und dessen Umgebung gezeigt, die Protagonisten scheinen aber trotzdem gefangen. Obwohl ihnen am Filmende die Flucht aus dem Hotel gelingt, finden sie sich erneut in einem verschneiten Labyrinth wieder.

Ob es nun der Horror ist, welchen einen ins Kino zieht oder doch lieber Komödien, eins ist klar: Nach diesem Seminar werden wir Studierende nicht mehr auf dieselbe Art und Weise Filme schauen.

Titelbild: Film „Shining“ – WarnerBros

Beitragsbild: Film „Hotel“ – coop99

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