Wohnen zwischen Chaos und Freundschaft

Halb verfaulte Avocados im Spülbecken? Ach was! Das Leben in einem Studentenwohnheim macht trotzdem Spass. Von Carina Basig

Wie man sich das Leben im Studentenheim vorstellt: Chaotisch, schmutzig, laut. Der Chemiestudent tanzt in der Küche zwischen ungewaschenem Geschirr mit der eben neu eingezogenen, hübschen Asiatin. Ein paar Geisteswissenschaftler grölen auf dem Sofa und trinken Bier und der Jurist kontrolliert zum dritten Mal mit ungeduldigem Blick auf seine Uhr ob er sein Essen nicht doch jetzt schon aus der Mikrowelle holen kann, um diesem Irrsinn zu entfliehen. Irgendwo in einer Ecke sitzt schliesslich immer irgendjemand, der gerade erst frühstückt, während die anderen schon wieder feiern.

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Kritische Anmerkungen zur «unpolitischen» Flüchtlingspolitik der Universität Basel

Die Uni hat sich der Gleichberechtigung verschrieben. Was Geflüchtete betrifft, ist sie jedoch noch weit davon entfernt. Von Fabienne Lehmann

Jeder hat das Recht auf Bildung». So steht es in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte von 1948, Absatz 26. Dieser Grundsatz scheint selbsterklärend, ja in einem stabilen demokratischen Rechtstaat wie der Schweiz selbstverständlich. Doch kann die Universität Basel tatsächlich von sich behaupten, diesem Prinzip gerecht zu werden? Gerade den zweiten Teil dieses Absatzes, den ich im Folgenden noch erläutern werde, scheint die Uni Basel besonders im Umgang mit Geflüchteten mit akademischem Hintergrund keineswegs so umzusetzen.

Hier also ein kurzer Überblick darüber, mit was für Hürden und Stolpersteinen geflüchtete Menschen auf dem verwegenen Trampelpfad der akademischen «Gleichberechtigung» zu kämpfen haben und was die Universität Basel dabei für eine Rolle einnimmt.

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Wo kommen plötzlich diese Zwiebeltürme her?

In seinem Buch «Retroland» untersucht der Historiker Valentin Groebner verschiedene Formen von Geschichtstourismus. Ein Genuss. Von Luca Thoma

«Dieser Ort ist eine Zeitkapsel».[1] Tourismus boomt. Ein grosser Teil der Branche stützt sich auf Angebote, die vorgeben – einer Zeitkapsel ähnlich – Geschichte zu präservieren und den geneigten Besucher an authentische historische Orte zu führen, wo dieser in die Vergangenheit eintauchen darf.

Doch gibt es sie überhaupt, die eine Geschichte? Und wie authentisch sind Orte wie die Luzerner Altstadt oder die Notre-Dame-Kathedrale in Paris, die im Laufe der Geschichte vielfältig modifiziert und angepasst wurden? 

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Gewalt als Mittel zum Zweck?

Gedanken zur Extremisierung der Gesellschaft am Beispiel Amerikas. Von Nicolas Neuenschwander

Betrachtet man die Entwicklungen in den letzten Jahren, dann kommt man nicht umhin festzustellen, dass der politische Diskurs im Allgemeinen mit immer gewaltsameren Mittel geführt wird. Man kommt nicht umhin festzustellen, dass es bei allen grösseren Demonstrationen der letzten Zeit (Paris, Hongkong und allgemein in den USA) meist zu gewaltsamen Ausschreitungen kam. Gleichzeitig werden auch immer häufiger politische Meinungen, die nicht der moralisch akzeptierten Meinung entsprechen, unter Umständen mittels Gewalt unterdrückt. In diesem Text soll sich dieser Thematik anhand des Beispiels der Attacke gegen Andy Ngo in Portland am 29. Juni 2019 angenommen werden.

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Von Solidarität und Selbstverantwortung

Mit Ansätzen der Disability Studies Konzeptionen von Freiheit neu denken. Von Christina Zinsstag

Die Disability Studies sind noch ein sehr junges, akademisches Fach. Wie viele neue akademische Gebiete, wie etwa die Gender Studies und die Postcolonial Studies, verdanken sie ihre Existenz unermüdlichem Aktivismus, der nicht nur soziale Ungleichheiten sichtbar gemacht und angeprangert hat, sondern auch grundlegende Prämissen in unserem Denken und Handeln in Frage stellt. Im Folgenden wird gezeigt wie zwei US-amerikanische Aktivistinnen bürgerlich-liberale Konzeptionen von „Freiheit“ konfrontieren.

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Dark Ages

Ein Problem der Mediävisten? Von Iulia Malaspina

Neulich war ich daran, mich mit einer bestimmten Periode des Mittelalters auseinanderzusetzen. Ich versuchte, zu rekonstruieren, was in einem bestimmten Land in zwei besonders dunkeln Jahrhunderten passiert ist. Dunkel waren diese Jahrhunderte, weil sie fast nichts hinterlassen haben – nämlich:

  • Eine schriftliche Quelle – eine! In zweihundert Jahren… – die zudem total verworren ist und in apokalyptischen Tönen von Katastrophen, Seuchen und Unglücken spricht.
  • Ein paar Knochen hier und da, die zudem auf tausend verschiedene Weisen begraben sind.
  • Ein Paar Glasscherben und zwei oder drei Broschen. Das war’s.
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Wir streiken auch für die vergangenen Generationen

Heute streiken schweizweit Frauen für mehr wirtschaftliche Gleichheit. Eine gute Gelegenheit auf die Vergangenheit zurückzublicken. Im Gespräch mit meiner Mutter und Grossmutter habe ich mich auf eine ganz persönliche Zeitreise begeben. Von Mara Dieterle

Als ich vor gut drei Wochen meine Grossmutter fragte, ob sie mir ein wenig aus ihrem Leben erzählen wolle, war ihre Antwort – ganz in manierlicher Bescheidenheit – «Ja, erzählen kann ich schon, wenn du das möchtest». Ich glaube, ich habe sie mit meiner Idee etwas überrumpelt. Aber der Gedanke ging mir einfach nicht mehr aus dem Kopf: Am 14. Juni wird wieder gestreikt – für Lohngleichheit, die Anerkennung von Sorge- und Pflege-Arbeit und weil es nach wie vor in vielen Bereichen mit der Gleichstellung der Geschlechter zu langsam voran geht. Während ich diese Anliegen teile, umtreiben mich als Geschichtsstudentin vor allem auch folgende Fragen: Wie war es früher? Was hat sich verändert?

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