Eintrag Nr. 162

Eine Kurzgeschichte von Julia Northfleet

Endlos weisser Raum. Unter meinen Füssen ist feste Masse. In die Pfütze die sich neben mir befindet, fallen stetig Wassertropfen, welche aus einem Wasserhahn entrinnen. Das Geräusch der aufprallenden Tropfen beruhigt meine Sinne. 

Ich nehme eine andere Präsenz wahr. Ein Wesen mit aufrechter Statur und voluminöser Behaarung an Kopf und Rücken. Es trägt einen Gehstock mit sich, welcher bei jeder Bewegung ein Bimmeln  von sich gibt. Das Wesen packt mich am Arm und zerrt mich von meiner Stelle. Ich kämpfe voller Panik gegen es an, reisse mich von seinem Griff los.

Ich tauche aus einem Brunnen auf und befinde mich auf einer Wiese, umgeben von grünen Hügeln. Die Stimmung, die mich umgibt ist wunderschön und die Temperatur angenehm warm. Weiter entfernt von mir befindet sich ein Baum, der aus seiner Umgebung heraussticht. Er ist von Schnee bedeckt. Ich gehe zu ihm und atme die frische Luft ein, welche ihn umgibt. Ich klettere auf ihn und taste seine Rinde ab. Trotz des Schnees ist seine Rinde sehr trocken. 

Der Baum bewegt sich. Ich schnell begebe mich mich wieder zu Boden und beobachte wie er in die Wiese hinein sinkt. Als der Baum ganz verschwunden ist, kann ich erkennen, dass sich aus der Wiese ein kleiner Teich hervorgebildet hat. Ich betrete den Teich und lasse mich von ihm verschlingen.

Ich befinde mich unter der Wiese in einem endlosen, dunklen Meer. Um mich herum sehe ich viele Bäume, welche Richtung Grund sinken. Der Meeresgrund besteht aus dicht aneinander gewachsenen Baumkronen. Aus den Baumkronen ragt ein gigantischer Baumstumpf hervor. Ich schwimme zu ihm und nehme ein subtiles blaues Leuchten aus seiner Mitte wahr. Es ist ein kleiner blauer Kristall.

Von seiner Oberfläche geht eine Kälte aus, die meine Hand in kuzer Zeit gefrieren lässt. Ich kann den Kristall nicht mehr loslassen und beobachte, wie er mich und meine ganze Umgebung in Eis verwandelt. Das Eis betritt nun meinen Körper und es breitet sich in mir ein stechender Schmerz aus. Ich spüre ihn für eine kurze Zeit, bis ich schliesslich einschlafe.

Ich erwache auf einem sandigen und trockenen Boden. Über mir herrscht ein roter Himmel, versehen mit dunkelvioletten Wolken. Ich stehe auf und bemerke, dass ich mich auf einer Insel befinde, welche im Himmel schwebt. Vor und rechts von mir schweben zwei weitere Inseln. Aus irgendeinem Grund zieht mich die gegenüberliegende Insel an. Sie birgt etwas sehr Wichtiges. Doch mein Bauchgefühl sagt mir, dass ich noch warten muss. Daher ruhe ich nun im Sand und freue mich schon darauf, was ich auf der Insel entdecken werde. 

Titelbild: Léonard Wiesendanger