Von der Idee zum Buch

Delia Christ

Drei Tipps zum Schreiben eines Romans

Viele von uns haben schon darüber nachgedacht, ein Buch zu schreiben. Vielleicht hat man sogar eine Idee, aber weiss dann nicht weiter. Wie kreiert man einen Charakter? Wie entsteht die Handlung von einem Buch? Wie schreibt man überhaupt eine zusammenhängende Szene? Hier erkläre ich, wie ich das Schreiben angehe und Liebesgeschichten sowie Fantasyromane verfasse. Von Delia Christ

Mit einer Idee allein schreibt man noch kein Buch. Neben Kreativität und etwas Zeit braucht man meiner Meinung nach vor allem Disziplin und Motivation, um ein Buch zu schreiben. Doch wie kann man mehrere hundert Seiten mit Dialogen, Szenen und Beschreibungen füllen, sodass eine zusammenhängende Geschichte daraus entsteht? Es gibt so viele Strategien, ein Buch zu schreiben, wie es Autor/innen gibt. Hier formuliere ich drei Tipps dazu, wie ich das Schreiben angehe und Liebesgeschichten sowie Fantasyromane kreiere.

1. Charaktere

Jede/r kennt die klassischen Charaktere, die es schon in hundertfacher Version gibt. Der BadBoy, die Tussi, die Streberin oder der Punk. Meistens assoziiert mit einfachen Charaktereigenschaften ohne viel Hintergrund. Grundsätzlich mache ich einen Bogen um Stereotypen. Das heisst nicht, dass ich sie per se schlecht finde, jedoch brauchen die Charaktere etwas mehr Tiefgang, um die Leser/innen emotional zu fesseln. Jemand mag «eine Tussi» sein, aber gleichzeitig in der Suppenküche arbeiten und sich vegan ernähren. Welche Charaktereigenschaft ist nun namensgebend? Darüber kann man sich streiten. Statt also Stereotypen zu suchen, denke ich mir meine Hauptpersonen nach Charaktereigenschaften aus. Die Protagonisten reagieren in einer bestimmten Art und Weise auf verschiedene Situationen, sind mehr oder weniger sozial veranlagt und haben diese oder jene Wünsche für die Zukunft. Auch von der Vergangenheit lernt man etwas. Meistens schreibe ich nicht alles, was ich über die Charaktere weiss, auch wirklich ins Buch. Doch ein dreidimensionales Bild der Personen im Kopf zu haben, hilft, Dialoge und andere Szenen authentisch zu schreiben. Ebenso ist es optimal, wenn die Hauptperson im Verlauf der Geschichte etwas hinzulernt. Ein Charakterzug wird vielleicht verändert oder ist speziell von Nutzen. So kann nicht nur die Protagonistin, sondern auch der Leser am Ende etwas mitnehmen.

2. Roter Faden

Der rote Faden – oder die Handlung – einer Geschichte denke ich mir aus, bevor ich auch nur ein Wort schreibe. Zunächst mache ich mir ein Bild davon, was in dem Buch geschehen soll, welche Charaktere welche Rolle übernehmen, und wo und in welcher Zeit die Geschichte handelt. All das beeinflusst sich gegenseitig. Die Handlung sollte einer Spannungskurve folgen, die zuerst langsam und dann immer steiler nach oben geht. Als erstes führe ich die Leser/innen in die Geschichte ein. Sobald die Charaktere und das Setting bekannt sind, kommt der Konflikt dazu. Das grosse Problem, das im Verlauf des Buches gelöst werden muss. Das kann ein internes, emotionales Problem sein oder ein externes, von jemand Drittem verursacht. Zu Beginn ist der Konflikt noch klein und die Charaktere sind nicht zum Handeln gezwungen. Doch mit der Zeit wird er immer grösser und es bleibt den Figuren nichts anderes übrig, als sich dem Problem zu stellen und eine Lösung zu finden. Immer wieder lege ich den Charakteren jedoch Steine in den Weg, die sie überwinden müssen. Erst im letzten Viertel des Buches kommt die grosse, überraschende Wendung – der Plot Twist – auf die alle schon lange gewartet haben. Die verschollene Schwester wurde gefunden, der Geliebte erwidert die Gefühle oder der Nachbar entpuppt sich als Verräter. Danach klingt die Geschichte langsam ab und in ein paar letzten Szenen werden die restlichen Fragestellungen aufgelöst.

3. Show, don’t tell

Zum Schluss den wohl bekanntesten Schreibtipp unter Autor/innen. Emotionen oder Beschreibungen sollten nicht einfach platt «erzählt» werden, sondern gezeigt. Statt «sie hatte Angst» schreibt man also «sie zitterte am ganzen Körper» und statt «es sah gruslig aus» könnte man schreiben «das Mondlicht reflektierte sich am Gestein und warf bizarre Schatten». In den meisten Fällen folge ich diesem Grundsatz. Häufig ist es schöner und besser nachvollziehbar, wenn man ein Symptom des Gefühls, statt das Gefühl selbst, beschreibt. Jedoch gibt es ebenso Momente, in denen ich dem Tipp nicht Folge leiste. Denn je nach Szene ist auch «show» von Nutzen. Dabei kommt es etwas auf das Feingefühl an. Zum einen frag ich mich jeweils, wie wichtig und wie stark das Gefühl der Protagonistin ist. Ist sie gerade beim Einkaufen und gibt mehr Geld aus, als sie wollte, oder trifft sie in Trainingshosen und mit Hangover beim Toilettenpapier einkaufen auf ihren Crush? Die Gefühle sind unterschiedlich relevant für die Geschichte – daher arbeite ich sie auch unterschiedlich genau aus. Andererseits muss man beachten, dass eine ausführliche Beschreibung den Lesefluss in die Länge zieht. Beschreibe ich also eine Verfolgungsjagd, fasse ich die Gefühle eher in kurze, konkrete Sätze als in einen langen, poetischen Abschnitt. Denn die Geschehnisse sollten schnell ablaufen und so auch der Lesefluss. Dennoch ist es nicht falsch, sich mehr oder weniger an den Grundsatz «show, don’t tell» zu halten.

Ich hoffe, euch mit dieser ersten Tippreihe ein paar hilfreiche Einblicke in das Schreiben eines Romans gegeben zu haben. Vielleicht habe ich den/die einen oder anderen dazu motiviert, die Feder – oder eher den Laptop – in die Hand zu nehmen und einen Text zu schreiben.

Delia Christ ist Autorin und schreibt unter dem Pseudonym Delia Muñoz. Ihr neustes Buch heisst „Love is not a Choice“.