Umfrage zur finanziellen Situation der Studierenden an der Universität Basel

Anfang April habe ich eine Umfrage gestartet, weil ich wissen wollte: Inwiefern hat Covid-19 die finanzielle Situation der Studierenden beeinflusst und welche Konsequenzen haben sich daraus für diese ergeben? Die Ergebnisse sind im folgenden Artikel zusammengefasst. Von Sarah Preiswerk, Vorständin Kultur der skuba

Einer der vielen Gründe für diese Umfrage war, dass ich selbst meinen Haupterwerb verloren habe und sich dadurch verschiedene Veränderungen für mich ergeben haben. Ich vermutete, dass viele Studierenden ähnliches erleb(t)en. Um Klarheit darüber zu erlangen, wie genau diese Veränderungen für andere ausgesehen haben, wurde ein Fragebogen aus geschlossenen und halboffenen Fragen sowie einer offenen zusammengestellt. Insgesamt haben 122 Studierende an der Umfrage teilgenommen, wobei alle alle Fragen beantwortet haben. In Anbetracht der Anzahl von Studierenden und dem Aufwand der Bewerbung seitens der skuba und Universität ist dies unter dem Strich ziemlich dürftig. Nichtsdestotrotz geben die Antworten Einblicke in die Gefühlslage der Studierenden. Der Tenor ist spürbar: Die Studierenden haben genug vom Bildschirmunterricht, sehnen sich nach Präsenzunterricht und dem Austausch unter Mitstudierenden. Vielen fehlt das universitäre Umfeld – einige haben es noch gar nicht kennenlernen dürfen. Eine Situation, die von Studierenden und Dozierenden gleichermassen Geduld und Energie fordert.

Auswertung

Im Folgenden sind die Umfrageergebnisse in Grafiken und ergänzenden Erläuterungen zusammengefasst.

Was studierst du? [1]

Die Frage wurde als halboffene Frage gestellt und die Ergebnisse nach Fakultätszugehörigkeit geordnet.

Fakultätszugehörigkeit der Teilnehmenden

Kreisdiagram zur Fakultätszugehörigkeit der Teilnehmenden in Prozent. Philosophisch-Historisch: 30%. Philosophisch-Naturwissenschaftlich: 20%. Medizinisch: 14%. Juristisch: 11%. Psychologisch: 11%. Wirtschaftswissenschaftlich: 3%. Theologisch: 2%. Andere: 2%. Andere universitäre Institute: 7%.

Wie zufrieden bist du mit deiner persönlichen Situation als Student*in?

Die Frage wurde als geschlossene, skalierte Frage gestellt, wobei fünf Antwortmöglichkeiten zur Verfügung standen.

Zentral und beunruhigend: Ein Grossteil der Studierenden ist nicht wirklich zufrieden mit ihrem Studium. Offen bleibt, wie die Situation vor Covid-19 ausgesehen hat, bzw. wie viel Anteil die Krise an der Unzufriedenheit hat.

Zufriedenheit mit der persönlichen Situation

Inwiefern beeinflusst die momentane Situation deine Studienwahl und beruflichen Pläne?

Bei dieser halboffenen Frage standen sechs Optionen offen, wobei Mehrfachnennungen[2] möglich waren.

Der Grossteil der Teilnehmenden studiert weiter wie zuvor, davon gibt jedoch mehr als die Hälfte an, der Studienwahl zu zweifeln. Fraglich bleibt, ob nur die momentane Situation die Unsicherheit begünstigt hat, oder ob sie die bereits vorhandene bloss verstärkt hat. Für viele Studierende zieht sich das Studium in die Länge – dies dürfte auch für einen grossen Teil der Studierenden gelten, die nicht an der Umfrage beteiligt waren. Des Weiteren haben 6% der Studierenden die Option Weiteres gewählt. Sie berichten von der Schwierigkeit, ein Praktikum zu finden oder für die Masterarbeit genügend Daten zu erheben. Andere bleiben für den Master in Basel, anstatt in eine andere Stadt zu gehen.

Beeinflussung der Studienwahl durch Covid-19

Welche Auswirkungen hat Covid-19 auf deine finanzielle Lage?

Bei dieser halboffenen Frage gab es acht unterschiedliche Antwortmöglichkeiten, wobei Mehrfachnennungen möglich waren.

Der Grossteil der Studierenden hat seine Verdienstmöglichkeit verloren. Auch dieses Ergebnis dürfte ein verallgemeinerbares sein. Das zieht nach sich, dass die Bezahlung der Studiengebühren schwieriger zu entrichten ist. Ein Problem, mit dem gut ein Fünftel der Studierenden zu kämpfen hat.

Unter der Kategorie Weiteres kamen zwei gegenläufige Tendenzen zum Vorschein: Für einige hat sich nichts geändert und sie konnten sogar Geld sparen, andere berichten von grösserer oder kompletter Abhängigkeit von den Eltern und unsicheren Aussichten.

Einfluss von Covid-19 auf die finanzielle Lage

Kreisdiagramm zum Einnfluss von Covid-19 auf finanzielle Lage. Verdienstmöglichkeit verloren: 37%. Zurück ins Elternhaus gezogen:	13%. Kleinere und günstigere Wohnung bezogen: 2%. Verlust der Wohnung / WG-Zimmer: 2%. Semestergebühren ohne finanzielle Hilfe von aussen nicht mehr zahlbar: 23%. Beantragung von Darlehen: 8%.
Weitere: 15%.

Ist das Hilfsangebot, das die Universität Covid-19 Betroffenen zur Verfügung stellt transparent?

Die Frage wurde als geschlossene, skalierte Frage gestellt, wobei fünf Antwortmöglichkeiten zur Verfügung standen.

Aus den Antworten geht hervor, dass das Angebot – obwohl es zur Verfügung stehen würde – nicht ausreichend sichtbar gemacht wurde. Es wäre wünschenswert, wenn die Hilfsangebote noch besser gestreut und bekannter gemacht würden, damit möglichst viele davon profitieren können.

Transparenz des Hilfsangebotes der Universität

Säulendiagramm zur Transparenz des Hilfsangebotes der Universität: 3 Personen wählten 'sehr'. 8 'merhheitlich', 46 'mittelmässig', 36 'eher weniger' und 29 'überhaupt nicht'.

Begründe deine Antwort:

Die mittelmässig bis schlechte Bewertung für die Transparenz hat vielfältige Gründe: Rund zwei Drittel der Studierenden hat geschrieben, dass sie das Angebot nicht kennen würden und darüber auch nicht informiert worden seien. 13% gaben an, dass es schwierig sei, an Informationen zu kommen und 11%, dass sie sich nicht informiert hätten. 2% gaben an, vom Hilfsangebot profitiert zu haben. Aus der Umfrage ist ausserdem hervorgegangen, dass die Programme zu Mental Health bekannt sind, Unterstützung für finanzielle Belange jedoch weitgehend unbekannt. Viele sind ratlos und heben hervor, dass der Zugang zu den Hilfsangeboten kompliziert und somit nicht niederschwellig sei. Vor allem für Studierende aus dem Ausland sei diese Tatsache besonders schwierig.

Welche Schritte sollten vonseiten der Universität unternommen werden, um die Studierenden effektiver zu unterstützen?

Diese Frage wurde als offene gestellt. Die Antworten lassen sich zu zentralen Forderungen zusammenfassen:

  1. Klarere Angaben für zukünftige Semester, damit Studierende Beruf, Studium und Freizeit besser planen können.
  2. Hilfestellungen – finanzielle und psychische – ausbauen und besser sichtbar machen.
  3. Hybriden Unterricht anbieten.
  4. Senkung der Studiengebühren.
  5. Transparente und inklusive Kommunikation und offenes Ansprechen der Bedürfnisse, indem auch nicht-traditionell Studierende (Berufstätige, Pendler*innen, Eltern) angesprochen werden.
  6. Zugänglichkeit zu den Bibliotheken verbessern.
  7. Austausch unter den Studierenden fördern.

Es wurde ausserdem ein Kummerkasten gewünscht: Den gibt es bereits! Im Lernoullianum kurz vor der Treppe, können Studierende anonym ihre Sorgen und Anliegen im Kummerkasten deponieren, wir nehmen diese entgegen und kümmern uns bestmöglich darum.

Abschlussgedanken

Als zentrale und relevante Erkenntnisse sind insbesondere hervorzuheben, dass fast 40% der Studierenden ihre Arbeit verloren haben und ein Grossteil auch nicht wirklich zufrieden mit ihrem Studium sind. Die Situation ist angespannt und die verschiedenen Gremien arbeiten daran, diese für die Studierenden weiterhin zu verbessern und eine effektive Kommunikation zwischen den Studierenden und der Universität aufrechtzuerhalten. Ganz im Sinne der Bring- und Holschuld ist es wichtig, dass beide Seiten sich aktiv einbringen und die jeweiligen Bedürfnisse ernst nehmen. Einerseits haben Studierende die Möglichkeit, sich auf niederschwelligem Weg aktiv in die Hochschulpolitik einzubringen, andererseits ist die Universität verpflichtet, die Studierenden bestmöglich zu unterstützen.

Viele Studierende loben die Universität für ihren Umgang mit der Situation, sie fühlen sich gut aufgehoben und informiert. Der Dank geht auch an die Dozierenden: «Vorlesungsaufnahmen weiterführen und erweitern, auch nach der Pandemie. Ohne Videoaufnahmen könnte ich die Vorlesungen aufgrund der Arbeit gar nicht richtig bearbeiten. Ich habe die Podcasts dadurch sehr sehr geschätzt. Vielen Dank an die Dozenten, die das anbieten.»

Wichtig bleibt weiterhin: Dass Studierende und Dozierende und anderweitig in die Lehre involvierte Personen miteinander kommunizieren und die gegenseitigen Anliegen ernst nehmen. Dazu ist auch die skuba da: Wir nehmen Anliegen von Studierenden an und leiten in die Wege, was nötig ist.

Übrigens: Hier geht’s zur offiziellen Corona-Support Seite der Universität Basel, auf der sich Betroffene informieren können. Neben den gesammelten Angeboten aufgrund der momentanen Situation, bietet die Universität auch bei anderweitigen Konflikten Hilfestellung an: Beratung & Konflikte.


[1] Alle Prozentzahlen sind auf Einer gerundet.

[2] Prozentzahlen beziehen sich auch bei Fragen mit möglichen Mehrfachnennungen immer auf 100% = alle eingegangenen Antworten.

Titelbild und Beitragsbilder: Sarah Preiswerk