Eine Studienreise der Universität Basel nimmt uns mit zu den Überresten eines jugoslawischen Umerziehungslagers. Die Gruppe entdeckt nicht nur Zeugnisse der Angst und Qual aus den 50ern, sondern beschäftigt sich auch mit der Erinnerungskultur Kroatiens. Sie berichten von der Wichtigkeit der professionellen, geschichtswissenschaftlichen Arbeit, an einem Ort, wo deren Ausbleiben bereits mehr als sichtbar ist. Von Katarina Penčić

Als wir uns am 1. September auf den Nachtzug nach Zagreb begaben, hatten wir bereits eine mehr oder weniger konkrete Vorstellung von unserem Reiseziel. Denn während des Frühjahrssemesters 2021 haben wir uns im Vertiefungskurs «Kroatisch/Serbisch» literarisch, filmisch und historisch mit der Thematik auseinandergesetzt. Jeden Mittwochnachmittag verbrachten wir also gedanklich auf und mit der Insel. Doch was hat es mit der kroatischen Insel “Goli otok” auf sich und wieso sind wir so weit gereist um sie zu besuchen?

Ein Interview mit dem Nobelpreisträger für Chemie Prof. Dr. Kurt Wüthrich zum Verhältnis von Politik und Wissenschaft und darüber, wie die Politik der Forschung in Notlagen zuhören sollte. Darüber hinaus zieht Kurt Wüthrich eine Parallele zwischen der Covid-19 Pandemie und Mad Cow Disease, zu der er aktiv geforscht hatte. Von Tomas Marik

Prof. Dr. Kurt Wüthrich wurde am 4. Oktober 1938 in Aarberg geboren. Nach der Matura in Biel, studierte er zwischen 1957 bis 1962 in Bern Chemie, Physik und Mathematik. Danach absolvierte er an der Universität Basel das Eidgenössische Turn- und Sportlehrerdiplom und promovierte gleichzeitig in anorganischer Chemie. Später forschte er in Berkeley an der University of California und in den Bell Telephone Laboratories in Murray Hill (New Jersey). Kurt Wüthrich lehrt und forscht seit 1969 an der ETH Zürich. Seit 1980 ist er Professor für Biophysik. Für seine wissenschaftlichen Arbeiten wurde er mit zahlreichen Preisen, Medaillen und Ehrendoktortiteln gewürdigt. Den Nobelpreis für Chemie erhielt Kurt Wüthrich 2002 zusammen mit John B. Fenn und Koichi Tanaka „für seine Entwicklung der kernmagnetischen Resonanzspektroskopie zur Bestimmung der dreidimensionalen Struktur von biologischen Makromolekülen in Lösung“.

An interview which deals with the political situation in Belarus today. In an exclusive talk with 2020 presidential candidate and Nobel Peace Prize nominee Sviatlana Tsikhanouskaya we learn about the opposition’s plans to democratize the country and how people from abroad can support the democratization process in Belarus. By Tomas Marik

Sviatlana Tsikhanouskaya was born in Mikashevichy (Belarus) in 1982. She has studied English and German at the University of Masyr and then worked for the Chernobyl disaster relief fund. In 2005 she married Siarhei Tsikhanouski, with whom she has a son and a daughter. In May 2020, her husband announced his intention to run for president of Belarus. However, two months later Tsikhanouskaya decided to run herself, when her husband was being arrested by the regime in Belarus. After the Lukashenko-corrupted election of the 9th of August 2020, Tsikhanouskaya was forced into exile. She now organizes democratic movements against the Belarusian regime from Vilnius and seeks support around the world. The European Union no longer recognises Alexander Lukashenko as the legitimate president of Belarus and has pledged broad support for Tsikhanouskaya.

Vaporwave, ist ein vergessenes Musikgenre wieder beliebt? Und wieso ist die 80er Nostalgie wieder in? Von Julia Northfleet

Was ist Vaporwave?

Vaporwave ist ein Musikgenre, welches bis zum heutigen Tag im Untergrund geblieben ist und nie in den Mainstream kam. Es entstand in den späten 2000er und ist eine reine Geburt des Internets. In erster Linie spricht man, wenn es um Vaporwave geht, über Musik. Doch zu dem Musikgenre gehören auch Ästhetik und ein politisches Statement, welche man nicht vom Musikgenre wegdenken kann. Mit der Ästhetik und Musik wird die Sehnsucht nach den guten alten Zeiten, als alles noch einfach war, ausgedrückt. In Musikvideos und Kunst werden Gegenstände aus den 80er und frühen 90er Jahren gezeigt, wie Videospielkonsolen, Computer, VHS Kassetten und Fernseher. Alles Gegenstände, die heutzutage nicht denselben Wert einnehmen, wie in der damaligen Zeit. Vaporwave löst in vielen eine Nostalgie aus, insbesondere bei denjenigen, die ihre Kindheit in den 80er und 90er Jahren verbracht haben. 

Im ersten Artikel der Reihe haben wir die Impfmentalität in der Schweiz genauer unter die Lupe genommen. In diesem Artikel soll es nun um die Sicht der Israeli auf die Impfsituation in ihrem Land gehen. Von Sofia Thai und Noëmi Blättler

In Israel wurden schon rund 10 Mio. Impfdosen an die Bevölkerung verabreicht, wobei 62% der Israeli schon doppelt geimpft sind (Stand: 30. April 2021, Ritchie et al., 2021). Alle Restaurants haben offen und Anlässe im Freien mit bis zu 10’000 geimpften Personen sind erlaubt. Die israelische Regierung diskutiert nun, ob die Maskenpflicht auch in Innenräumen aufgehoben werden soll.

Israel ist der Schweiz sowohl in der Impfkampagne wie auch auch in der Einführung vom Impfpass meilenweit voraus. Doch wie ist die Stimmung der Bevölkerung in beiden Ländern? Von Noëmi Blättler und Sofia Thai

Impfung – ein Thema, das seit der Erfindung des ersten Impfstoffs gegen die Infektionskrankheit Pocken immer wieder strittig diskutiert wird. Die Bekämpfung der Pocken durch Impfung wurde zum Vorbild für einen weiteren Umgang mit Infektionskrankheiten. Trotzdem wird die Sicherheit der Impfung seit den letzten Jahren immer mehr diskutiert.

Sie sind aktuell in aller Munde, bei einigen höchst wohlwollend, bei anderen mit grosser Abneigung: die Verschwörungstheorien. Doch wovon sprechen wir eigentlich, wenn wir diesen Begriff verwenden? Ein Erklärungsansatz nach Michael Butter. Von Lisa Kwasny

Menschen in deinem Umfeld erwähnen in einem Nebensatz plötzlich, dass die Coronazahlen möglicherweise gefälscht sind? Jemand hat auf deine Hauswand «Plandemie» geschrieben? Oder deine Mutter leitet dir Telegram-Nachrichten weiter, welche «beweisen», dass Impfen unfruchtbar macht? Diese Erfahrungen teilen aktuell viele Menschen. Die Corona-Pandemie hat das Gros der Verschwörungstheorien von den Rändern der Gesellschaft in die Mitte zurückgeholt. Doch warum?

Der Osteuropahistoriker Karl Schlögel über Putin, Propaganda und die Rolle des Historikers im öffentlichen Diskurs. Von Oliver Sterchi und Luca Thoma

Herr Schlögel, die Spannungen zwischen Russland und dem Westen nehmen seit dem Ausbruch der Ukraine-Krise 2014 beständig zu. Russlands militärisches Eingreifen in Syrien trägt Zeichen eines Stellvertreterkrieges. Befinden wir uns in einem neuen Kalten Krieg?

Ich denke, dass die Bezeichnung Kalter Krieg hier nicht zutrifft. Mit dem Begriff des Kalten Krieges bezeichnete man die symmetrische Opposition zweier Supermächte, namentlich der USA und der Sowjetunion. Diese Symmetrie erzeugte eine Art Gleichgewicht des Schreckens und machte die Lage somit berechenbar. Was wir heute haben, ist eine völlig andere Situation. Die Welt ist nicht mehr bipolar, sondern multipolar. Es gibt heute mehrere Machtpole, was die Lage viel komplexer und unübersichtlicher macht. Ich möchte betonen, dass es sich dabei um eine gänzlich neue Situation handelt. Deshalb halte ich die Rede von der Rückkehr des Kalten Krieges nicht für angemessen.

Die derzeit oft gesehenen Demonstrationen von sogenannten Coronaleugner*innen kommen mit einer gewissen revolutionären Symbolik daher. Im Anschluss an unseren letzten Beitrag stellt sich nun denn die Frage: Lassen sich die Protestbekundungen gegen die Coronamassnahmen als zivilen Ungehorsam verstehen? Und wenn ja, sind sie deshalb legitim? Von Lisa Kwasny

Es ist eine gruselige Formation, die hier durch Bern zieht. Menschen in weissen Schutzanzügen und mit Masken trotten durch die Innenstadt. Aus einer Stereoanlage klingt eine blecherne Stimme. «Unser Atem tötet. Sicher bist du nur in der Isolation. Fügt euch der Normalität. Verratet eure Nachbarschaft. Maskenpflicht ein Leben lang. Umerziehungslager für Maskenverweigerer.» Dass diese Aktion an die Dystopie «1984» von George Orwell erinnert, scheint gewollt. Die Kommentare auf YouTube weisen darauf hin, dass das die Zukunft sein werde, wenn man nicht aufpasst. Es ist offensichtlich: Das ist eine Protestaktion von Coronaleugner*innen.