Nicht alle Nationalhelden sind fiktive Figuren wie unser Wilhelm Tell. Als historische Persönlichkeiten prägen sie ihre jeweiligen Gesellschaften bis heute. Es lohnt sich daher ein Blick darauf, wie zwei ehemals kommunistische Länder mit ihren Nationalhelden umgehen. Von Benjamin Bieri

Es ist ein ruhiger Ort im lauten Belgrad. Auf einer Hügelkuppe über der Stadt. Heute Titos Mahnmal. Titos ehemalige Wohnstatt. Eindrücklich, aber nicht protzig, wie Tito. Einige Bilder zeugen vom Staatsbegräbnis, an dem so viele Staatsoberhäupter wie nie zuvor teilgenommen haben. Josip Broz Tito. Tito: Den Beinamen, mit dem heute alle auf ihn verweisen, bekam er angeblich als Anführer der antifaschistischen Partisanen, da er bekannt dafür war, Befehle nur mit den zwei Worten ti (du) und to (das) zu geben.

Der Osteuropahistoriker Karl Schlögel über Putin, Propaganda und die Rolle des Historikers im öffentlichen Diskurs. Von Oliver Sterchi und Luca Thoma

Herr Schlögel, die Spannungen zwischen Russland und dem Westen nehmen seit dem Ausbruch der Ukraine-Krise 2014 beständig zu. Russlands militärisches Eingreifen in Syrien trägt Zeichen eines Stellvertreterkrieges. Befinden wir uns in einem neuen Kalten Krieg?

Ich denke, dass die Bezeichnung Kalter Krieg hier nicht zutrifft. Mit dem Begriff des Kalten Krieges bezeichnete man die symmetrische Opposition zweier Supermächte, namentlich der USA und der Sowjetunion. Diese Symmetrie erzeugte eine Art Gleichgewicht des Schreckens und machte die Lage somit berechenbar. Was wir heute haben, ist eine völlig andere Situation. Die Welt ist nicht mehr bipolar, sondern multipolar. Es gibt heute mehrere Machtpole, was die Lage viel komplexer und unübersichtlicher macht. Ich möchte betonen, dass es sich dabei um eine gänzlich neue Situation handelt. Deshalb halte ich die Rede von der Rückkehr des Kalten Krieges nicht für angemessen.