Ich bin alternativ. Ich lebe alternativ, ich gebe mich alternativ, ich bezeichne mich so. Doch was ist das genau, dieses «alternativ»? Was alterniere ich denn eigentlich? Von Lisa Kwasny

Alternativ bedeutet «zwischen zwei Möglichkeiten die Wahl lassend; eine andere, zweite Möglichkeit darstellend», «im Gegensatz zum Herkömmlichen stehend; anders im Hinblick auf die ökologische Vertretbarkeit o.Ä» oder auch «eine Haltung, Einstellung vertretend, die besonders durch Ablehnung bestimmter gesellschaftlicher Vorgehens- und Verhaltensweisen (z.B. übermäßiger Technisierung, unbegrenzter Steigerung des wirtschaftlichen Wachstums o.Ä.) Vorstellungen von anderen, als menschen- und umweltfreundlicher empfundenen Formen des [Zusammen]lebens zu verwirklichen sucht.»[1] Es geht also darum, sich gegen das Herkömmliche, das Institutionalisierte, das Alteingebackene zu stellen. Es ist eine Antihaltung, welche meiner Erfahrung nach oft mit einem Ausblick auf gesellschaftlichen Wandel einhergeht. Duden klassifiziert das Wort als «bildungssprachlich». Im Wortschatz der Arbeiterschicht findet sich das Wort weniger, auch wenn wir Alternativen uns gerne proletarisch geben.