Wirbellos ist der zweite Roman des Schweizer Autors Giuliano Musio. Der 2019 erschienene Roman gehört vermutlich eher in die Sparte des Geheimtipps, doch wer auf der Suche nach ungewöhnlichen Plots ist, bei welchen man nicht weiss, wie diese enden, wird dieses Buch lieben! Von Sarah Kündig

Wirbellos ist die Geschichte über Martin Schwammer, der als Kind nicht lügen konnte und als Erwachsener nicht mehr aus dem Lügen herauskommt. Es ist eine Geschichte von Schuld, Sühne und Vergebung. Eine Geschichte, die vom Schicksal und vor allem vom Leben mit all seinen Umwegen und Abgründen erzählt. 

„Dann mach ich halt ein OnlyFans!“ ist das neue „Dann werde ich halt Stripperin“. Ein Spruch, den ich im letzten Jahr ziemlich oft gehört habe. Fast genauso oft wie den Ratschlag: „Du solltest unbedingt ein OnlyFans machen – damit könntest easy viel Geld verdienen!“ Interessanterweise kommt dieser Rat ausschliesslich von Männern, die Sexarbeit eigentlich nur „von aussen“ kennen. Das fühlt sich dann ungefähr so an, als wollte mir ein Schweizer erklären, wie man die Fussball Europameisterschaft gewinnt. Von Amber Eve

Hinter beiden Aussagen steckt die Vorstellung, dass Sexarbeit leicht verdientes Geld ist – vor allem online. Alles anonym, ein paar Füdlibilder posten, und schon flattert das Geld herein. Aber ist das wirklich so? Warum zählt OnlyFans eigentlich als Sexarbeit? Und was braucht es wirklich, um damit auch längerfristig erfolgreich zu sein?

Darf man Trinkgeld geben, oder muss man sogar? Verdienen Stripperinnen wirklich wie im Film mit einem Wimpernklimpern Berge von Geld, oder für was genau bezahle ich da eigentlich? Wie man sich als Konsument beliebt macht, und warum der Geldschein im G-String nach wie vor relevant ist. Von Amber Eve

Lass es regnen, dolla dolla bills, ruhig ein bisschen mehr, steck einen bunten Geldschein in meinen G-Strings, support your local hustler, Trinkgeld nicht vergessen… ja warum eigentlich? Für Menschen mit einem „normalen“ Job und fixem Lohn ist es vielleicht gar nicht so einfach zu verstehen, warum „Tip Money“ in meiner Branche so wichtig ist. Zwar ist der Lohn in der Schweiz im Vergleich zu anderen Ländern oftmals besser, aber vor allem in der Dienstleistungs- und Unterhaltungsbranche gibt es da eine recht grosse Grauzone, in der die meisten eher im Bereich „knapp“ als „drüber“ ihre Brötchen verdienen. Jeder, der schonmal in der Gastronomie gejobbt hat weiss, wie dankbar man für alles ist, was über den Stundenlohn hinaus geht.

Liebe Damen, ich muss jetzt mal was klarstellen:
„Ihr seid in meinem Job oft viel mühsamer als Männer.“
Von Amber Eve

„Waaaas?“, sagst du jetzt. „Das kann ich mir gar nicht vorstellen. Schliesslich musst du ja sonst immer für betrunkene Rüpel tanzen, die hässlich und schwanzgesteuert sind, und keinen Respekt vor dir haben. Frauen sind da doch sicher viel besser!“ Und da fängt das Problem schon an.
Zum Einen ist es mir relativ egal, wie attraktiv meine Klienten sind – um in Kontakt zu treten spielt es für mich keine Rolle, ob dir Haare aus den Ohren wachsen oder nicht. Zum Anderen ist es gerade bei besonders attraktiven Männern (und Frauen) etwas schwieriger, Respekt einzufordern: „Weisst du Baby, eigentlich habe ich das hier gar nicht nötig. Ich kann jederzeit haben, was ich will, denn ich sehe toll aus und alle stehen auf mich. Eigentlich solltest du mich zahlen, hahaha.“ Super für dich, aber ich gehe auch nicht in den Supermarkt und beschwere mich, dass ich hier für Lebensmittel zahlen muss, wo ich sie doch bei Mutti einfach so aus dem Kühlschrank nehmen kann. Du hast dich in ein Setting begeben, wo du eine Dienstleistung in Anspruch nimmst, und das kostet nun mal Geld – und ein gewisses Mass an Respekt.

„Nee, aber mal im Ernst, ist das dein richtiger Name?“ Von Amber Eve

Mein richtiger Name ist in einem Stripclub genauso wichtig wie deiner – wahrscheinlich habe ich letzteren deshalb auch schon wieder vergessen. Schließlich geht es hier vorsätzlich darum, in einer rot beleuchteten Traumwelt ein Abenteuer zu erleben. Gespräche gehören da natürlich auch dazu – aber warum glaubst du, dass ein gutes Gespräch erst möglich ist, wenn du Eva statt Amber zu mir sagst? Weil es dir das Gefühl gibt, eben nicht in einer Traumwelt zu sein. Sondern dass das hier ganz real ist. Mein Name, meine Brüste, der Drink, den du mir gerade zahlst, und mein Interesse an dir, mein Lachen, wenn du einen mittelmässigen Witz machst. Es führt dazu, dass du dich besonders fühlst. Du bist der Auserwählte, der einen so guten Draht mit der Stripperin aufbauen konnte, dass sie dir ihr Herz öffnete und ihren richtigen Namen verriet. Du bist etwas Besonderes, du hast Tiefgang und bist nicht so oberflächlich und lächerlich wie alle anderen hier drin.

Eine Sexarbeiterin erzählt von ihrem Alltag im Stripclub, von respektvollen und nicht ganz so respektvollen Kunden und wie sie durch ihren Job zu neuem Selbstbewusstsein fand. Von Amber Eve

„Ja, aber… du verkaufst ja deinen Körper.“

Ich habe Sophia soeben erzählt, dass ich als Stripperin arbeite. Wie die meisten Frauen reagiert sie darauf mit einer sonderbaren Mischung aus Faszination und Abscheu. Ich atme tief ein und aus. Schon so oft habe ich diesen Satz gehört oder im Zusammenhang mit meinem Job gelesen, und finde ihn… schwachsinnig. Als ich das letzte Mal nachgesehen habe, war mein Körper nämlich noch da und ich konnte frei darüber bestimmen, was ich damit mache, vor wem, und wie lange. Und für wieviel Geld.