Kategorie: Essay

Weshalb Jetzt-Zeit?

Einige Erläuterungen zur Herkunft des Begriffs. Von Christina Zinsstag

Das Jetzt steht für einen Moment, der keine Dauer hat. Es ist, in der Logik der linearen Zeit, Teil einer ewigen Abfolge der immer gleichen leeren Einheiten, nie wirklich, nie vollständig da, sondern immer schon gewesen oder kommend. Es markiert einen ständig schwindenden Übergang von Vergangenheit und Zukunft. Folgen wir dieser Logik, so muss gefragt werden, ob so etwas wie das ‚Jetzt‘ überhaupt existiert[1]. Doch das Jetzt ist keine leere, vorübergehende Einheit, sondern hochkomplex, denn es ist die Prämisse für unsere zeitliche Verordnung: Es markiert den Punkt von welchem aus andere Zeit-Modi gedacht werden können, es setzt den zeitlichen Gesichtspunkt, von welchem aus Vergangenheit und Zukunft überhaupt erst sichtbar werden. Deshalb existiert nichts ausserhalb des Gegenwärtigen, sondern ist nur darin enthalten[2]. Auch die Perspektive der Historikerin[3] ist immer geprägt von ihrem Jetzt und wird so selbst zu einem Gegenstand der Geschichtswissenschaft.

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Die Nation malen

Wie Jan Matejko mit seinen monumentalen Gemälden die Vorstellungen von der polnischen Geschichte prägte. Von Oliver Sterchi

Es gilt als das bekannteste Gemälde Polens: Jan Matejkos Schlacht bei Grunwald (polnisch: Bitwa pot Grunwaldem). Das monumentale Bild entstand 1878, ist über vier Meter hoch und über neun Meter breit und hängt heute an prominenter Stelle im Nationalmuseum in Warschau, wo es täglich von unzähligen polnischen Schulklassen betrachtet wird. Keine Hauptstadt-Exkursion ohne einen Besuch im Künstlerpantheon der Nation. Matejko, der vornehmlich in Krakau wirkte, verarbeitet in seinem Gemälde die historische Schlacht von Grunwald im Jahre 1410, bei der die Truppen des polnischen Königs Wladyslaw II. Jagiello den Deutschen Orden unter dem Kommando Ulrichs von Jungingen besiegten.

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