Kategorie: Essay

„Wer braucht diese Maske?“

Wie die Restitutions-Debatte zu einer Diskussion über unser globales Selbstverständnis führen könnte – ein Besuch im Museum der Kulturen in Basel. Von Céline Burget und Christina Zinsstag

Begibt man sich auf einen Gang durch die Ausstellung Wissensdrang trifft Sammelwut des Museums der Kulturen in Basel, überrascht mitten unter den bunten Exponaten eine leere Fläche. Der beiliegende Text erklärt, dass hier ein tjurunga ausgestellt werden sollte. Ein Objekt aus Zentral-Australien, welches von den Arrerente, der Herkunftsgemeinschaft, als geheim und heilig gehandelt wird. Deswegen hat das Museum beschlossen, das Objekt zu thematisieren, ohne es zu zeigen.
Im Rahmen dieser Ausstellung fand am 5. Juni unter dem Titel Wer braucht diese Maske? eine Führung mit anschliessender Podiumsdiskussion statt. An der Diskussion beteiligt waren die Museumsdirektorin Dr. Anna Schmid, Prof. Dr. Elisio Macamo (Universität Basel) und Prof. Dr. Gesine Krüger (Universität Zürich). Zwei Mitglieder der Redaktion nahmen an der Veranstaltung teil und berichteten aus gegebenem Anlass von den Überlegungen und Eindrücken des Abends.  

„„Wer braucht diese Maske?““ weiterlesen

Weshalb Jetzt-Zeit?

Einige Erläuterungen zur Herkunft des Begriffs. Von Christina Zinsstag

Das Jetzt steht für einen Moment, der keine Dauer hat. Es ist, in der Logik der linearen Zeit, Teil einer ewigen Abfolge der immer gleichen leeren Einheiten, nie wirklich, nie vollständig da, sondern immer schon gewesen oder kommend. Es markiert einen ständig schwindenden Übergang von Vergangenheit und Zukunft. Folgen wir dieser Logik, so muss gefragt werden, ob so etwas wie das ‚Jetzt‘ überhaupt existiert[1]. Doch das Jetzt ist keine leere, vorübergehende Einheit, sondern hochkomplex, denn es ist die Prämisse für unsere zeitliche Verordnung: Es markiert den Punkt von welchem aus andere Zeit-Modi gedacht werden können, es setzt den zeitlichen Gesichtspunkt, von welchem aus Vergangenheit und Zukunft überhaupt erst sichtbar werden. Deshalb existiert nichts ausserhalb des Gegenwärtigen, sondern ist nur darin enthalten[2]. Auch die Perspektive der Historikerin[3] ist immer geprägt von ihrem Jetzt und wird so selbst zu einem Gegenstand der Geschichtswissenschaft.

„Weshalb Jetzt-Zeit?“ weiterlesen

Die Nation malen

Wie Jan Matejko mit seinen monumentalen Gemälden die Vorstellungen von der polnischen Geschichte prägte. Von Oliver Sterchi

Es gilt als das bekannteste Gemälde Polens: Jan Matejkos Schlacht bei Grunwald (polnisch: Bitwa pot Grunwaldem). Das monumentale Bild entstand 1878, ist über vier Meter hoch und über neun Meter breit und hängt heute an prominenter Stelle im Nationalmuseum in Warschau, wo es täglich von unzähligen polnischen Schulklassen betrachtet wird. Keine Hauptstadt-Exkursion ohne einen Besuch im Künstlerpantheon der Nation. Matejko, der vornehmlich in Krakau wirkte, verarbeitet in seinem Gemälde die historische Schlacht von Grunwald im Jahre 1410, bei der die Truppen des polnischen Königs Wladyslaw II. Jagiello den Deutschen Orden unter dem Kommando Ulrichs von Jungingen besiegten.

„Die Nation malen“ weiterlesen