Ziviler Ungehorsam – Ermächtigung der Machtlosen

Ziviler Ungehorsam. Dem Begriff schwingt ein Hauch Revolution mit. Er ruft Bilder hervor, von Protesten, Plakaten und emotionalen Reden; Martin Luther King, Aktionskunst, Pussy Riot, Gandhi, Klimajugend und Menschen, die sich von der Polizei wegtragen lassen. Doch was davon ist wirklich ziviler Ungehorsam? Und was wäre es, wenn es kein ziviler Ungehorsam ist? Von Lisa Kwasny

Der Begriff «ziviler Ungehorsam» sagt schon einiges über sein Wesen aus. Es soll ein anständiger Ungehorsam, ausgeführt von Einwohner*innen eines Staates, sein. Man begegnet dem Begriff ‘zivil’ auch im Wort ‘Zivilisation’ oder im ‘zivilisierten Verhalten’. Ungehorsam bezeichnet die Praxis, durch die bewusst gegen bestehende Normen gehandelt oder Gesetze gebrochen werden. ‘Ziviler Ungehorsam’ scheint eher ein seltsames Wortpaar zu sein, wenn man genauer darüber nachdenkt. Wie kann ein Gesetzesbruch anständig sein, wenn doch die Gesetzestreue als Grundvoraussetzung des anständigen Bürgers gilt?

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Polarisierung am Arbeitsmarkt – was nun?

Keine Massenarbeitslosigkeit, sondern Jobpolarisierung und individualisierte Lebensumstände. Wie der technologische Wandel unsere Arbeitswelt verändert und warum das bedingungslose Grundeinkommen keine Universallösung ist. Von Remo Agovic und Guido Baldi

Der Prozess der Automatisierung und Digitalisierung schreitet mit rasantem Tempo voran. In der öffentlichen Diskussion werden neben utopischen Visionen einer arbeitsfreien Zukunft auch düstere Zukunftsbilder gezeichnet. In den Medien lassen sich immer wieder Titel finden wie „Roboter nehmen uns die Arbeit weg: Müssen wir sie bekämpfen?“ oder „In 25 Jahren werden 47 Prozent der Jobs verschwunden sein – und auch eurer ist nicht sicher.“ Oft wird argumentiert, dass als Folge einer drohenden Massenarbeitslosigkeit ein bedingungsloses Grundeinkommen eingeführt werden soll – also ein fester und für alle gleicher Betrag, den alle erwachsenen Individuen ohne Bedingungen und Kontrolle erhalten. Doch droht überhaupt eine Massenarbeitslosigkeit? Und ist ein bedingungsloses Grundeinkommen ein geeignetes Mittel dagegen?

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die alltägliche Selbstverständlichkeit lesen

Wir verbringen die meiste Zeit im Studium damit. Nichts fasst unsere Studienzeit besser zusammen. Eine Selbstverständlichkeit. Hinter ihrem Schleier gewinnt im Kontext der medialen Umwälzung ein kleines Wörtchen an Profil. Von Léonard Wiesendanger

lesen ist ein unscheinbares Wort, klein und alltäglich. Ebenso unscheinbar ist die Praxis, die wir Lesenden mit dem Wort verbinden. lesen ist im doppelten Sinne alltäglich: dass wir weder Wort noch Tätigkeit zur Kenntnis nehmen. Im Studium nehmen wir das Wort lesen so hin, wie die Erwartung der Dozierenden diesen oder jenen Text auf nächste Woche … zu haben, in derselben unscheinbaren Weise wie Du diesen Text …, beiläufig und ohne einen weiteren Gedanken.

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Poesie ist Seelenstriptease in seiner ästhetischsten Form

Gedichte sind mehr als die verstaubte Maturalektüre, die man Wort für Wort analysieren musste. Ein Liebesbrief an die Poesie. Von Sophie De Stefani

Poesie. Keine andere Kunstform lässt so tief in das Innenleben des Künstlers blicken wie du. Mit dir entblösst er sich vor der Welt, lässt uns an seinen intimsten Gedanken teilhaben, wenn er über die Liebe, den Tod oder die Einsamkeit schreibt.

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«Ich will nichts wissen, ich halte mir das Wissen fragend vom Leib».

Studieren ist nicht gleich Studium und will gelernt sein. Eine paar Gedanken zum neuen Semester. Von Léonard Wiesendanger

Ich habe Schiller gelesen. Eine akademische Antrittsrede. Wer sich für sie interessiert, bitte, sie liest sich gut und schnell; die Rede soll mir hier nur als Einstieg dienen: weil ich aber weder Philosoph noch thätiger Weltmann bin und mir meine edle Wißbegierde leider nicht selten abhandenkommt, damit auch mein Zugang zu den reichen Quellen edelsten Vergnügens, schreibe ich hier keine Antrittsrede, sondern belasse es bei einem Versuch. Dieser darf gerne halbherzig sein. Unzulänglichkeiten sind seine Form.

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Daniele Ganser und das Problem der gesellschaftlichen Polarisierung

Verschwörungstheorien sind im Trend. Noch trendiger sind ihre Vertreter wie beispielsweise der Historiker und selbsternannte Friedensforscher Daniele Ganser. Der Versuch einer Annäherung an das Phänomen und ein Plädoyer dafür, sich ab und an mit Verschwörungstheorien zu beschäftigen. Von Mara Dieterle

Sie sind ein weites Feld, die Verschwörungstheorien. Und sie sind ein Minenfeld. Trotzdem ist es wert, sich ab und an vertiefter mit ihnen auseinanderzusetzen. Seit einiger Zeit (sogar seit einigen Jahren) mache ich in meinem persönlichen Umfeld immer wieder Erfahrungen, die mein Interesse an dieser Thematik wecken.

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Komfort ja – Luxus nein!

Die Entstehungsgeschichte der Basler Wohngenossenschaft Gundeldingen. Von Sarah Leonie Durrer

Die Basler Wohngenossenschaft Gundeldingen erstrahlt nach einer umfassenden Fassadenrenovation wieder im ursprünglichen Rotton ihres Gründungsjahres 1926. Die rote Farbe, die mäanderartige Struktur des um zwei Höfe angelegten Baus und die als klein wahrgenommenen Fenster trugen der Genossenschaft in der Basler Bevölkerung den Namen «Sing-Sing» nach dem gleichnamigen Gefängnis in den USA ein.

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Quo vadis, Helvetia?

Von Veränderungen im Schweizer Wahlkampf. Von Nicolas Neuenschwander

Wir werden in der Schweiz bald ein neu zusammengesetztes Parlament bekommen, dies geht natürlich mit einem langen Wahlkampf einher. Doch dieses Jahr konnten verschiedene Veränderungen festgestellt werden, die in ihrer Art für die Schweiz sehr ungewöhnlich sind. Vor allem in den Plakatkampagnen der verschiedenen Parteien gab es dieses Jahr deutliche Unterschiede zu vergangenen Jahren. Diese Unterschiede sollen nun näher analysiert werden.

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Wenn Geschichte mit Beton neu geschrieben wird

In Nordmazedonien beschwört die Elite die vermeintliche antike Vergangenheit des Landes und baut die Hauptstadt um. Ob das gut geht? Von Tomas Marik

In letzter Zeit erleben wir immer häufiger, wie geschichtliche Fakten im öffentlichen Raum simplifiziert, umgedeutet oder sogar verfälscht werden. Es findet sich auch manch ein europäischer Politiker, der fordert, dass diese abstrusen Geschichtsauslegungen in den Schulunterricht eingebaut werden sollen. So äusserte sich Björn Höcke (AfD) zur deutschen Bewältigungspolitik: „Wir brauchen nichts anderes als eine erinnerungspolitische Wende um 180 Grad.“

In Russland wurde sie bereits zum Teil umgesetzt. So erleben wir von Neuem einen Stalinkult. Nach einer Umfrage des russischen Lewada-Instituts bekommt Josef Stalin in der Kategorie „herausragendste Persönlichkeit aller Zeiten“ den ersten Platz zugewiesen, und überholt so Vladimir Putin und Peter den Grossen.

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Gewalt als Mittel zum Zweck?

Gedanken zur Extremisierung der Gesellschaft am Beispiel Amerikas. Von Nicolas Neuenschwander

Betrachtet man die Entwicklungen in den letzten Jahren, dann kommt man nicht umhin festzustellen, dass der politische Diskurs im Allgemeinen mit immer gewaltsameren Mittel geführt wird. Man kommt nicht umhin festzustellen, dass es bei allen grösseren Demonstrationen der letzten Zeit (Paris, Hongkong und allgemein in den USA) meist zu gewaltsamen Ausschreitungen kam. Gleichzeitig werden auch immer häufiger politische Meinungen, die nicht der moralisch akzeptierten Meinung entsprechen, unter Umständen mittels Gewalt unterdrückt. In diesem Text soll sich dieser Thematik anhand des Beispiels der Attacke gegen Andy Ngo in Portland am 29. Juni 2019 angenommen werden.

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