Von Veränderungen im Schweizer Wahlkampf. Von Nicolas Neuenschwander

Wir werden in der Schweiz bald ein neu zusammengesetztes Parlament bekommen, dies geht natürlich mit einem langen Wahlkampf einher. Doch dieses Jahr konnten verschiedene Veränderungen festgestellt werden, die in ihrer Art für die Schweiz sehr ungewöhnlich sind. Vor allem in den Plakatkampagnen der verschiedenen Parteien gab es dieses Jahr deutliche Unterschiede zu vergangenen Jahren. Diese Unterschiede sollen nun näher analysiert werden.

Die Öffnungszeiten der Unibibliothek sind eine Zumutung. Es wird Zeit, das Modell grundsätzlich zu überdenken. Von Oliver Sterchi

Wer schon ein bisschen länger Geschichte studiert, der weiss: Die Universitätsbibliothek ist der Dreh- und Angelpunkt des universitären Lebens. Während Erstis mit überfüllten Stundenplänen von einem Proseminar zum nächsten rennen, sitzen fortgeschrittene BA- und MA-Studierende vornehmlich in der Bib. Dort werden Arbeiten geschrieben, Bücher gelesen, Gedanken ent- und verworfen, Vorträge vorbereitet — kurzum: In der Bibliothek findet die Denk- und Schreibarbeit statt, die für das Studium an einer humanwissenschaftlichen Fakultät zentral ist.

Überlegungen zur Verwendung des generischen Femininum in schriftlichen Arbeiten – einige Argumentationslinien. Von Florian Zoller und Christina Zinsstag

Mit dem generischen Femininum ist die konsequente Verwendung des weiblichen statt des männlichen Substantives in Texten gemeint. Dies soll nicht heissen, dass männliche Nomen verweiblicht werden (etwa statt „der Roboter“ „die Roboterin“), sondern, dass beispielsweise bei Berufsbezeichnungen nicht nur die männliche, oder die weibliche und die männliche Form, sondern ausschliesslich die weibliche Form für alle Geschlechter verwendet wird. Dieser Artikel ist das Ergebnis einer schriftlich geführten Pro-und-Contra-Debatte zwischen den Autorinnen.

Auch literarische Texte bringen uns vergangene Lebenswelten näher. Doch was taugen sie in wissenschaftlicher Hinsicht? Von Sarah Durrer

Ein livrierter Liftboy und eine Fassade im modernen Sezessionsstil entführen Gäste des Hotels Savoy in Łódź auch heute noch in die Zwischenkriegszeit Polens. In einer ruhigen Seitenstrasse der geschäftigen Ulica Piotrkowska gelegen, bietet das Hotel Liebhabern originalgetreu eingerichteter Zimmer eine optimale Unterkunft. An die Zeit des Kabaretts Bi-Ba-Bo unter Mitarbeit von Julian Tuwim erinnert der heute zweckmässig eingerichtete Speisesaal jedoch nicht. Und dass das heute etwas verschlafene Hotel als Kulisse für einen spannenden Roman gedient hat, erschliesst sich dem heutigen Hotelgast auch nicht auf den ersten Blick.

In Nordmazedonien beschwört die Elite die vermeintliche antike Vergangenheit des Landes und baut die Hauptstadt um. Ob das gut geht? Von Tomas Marik

In letzter Zeit erleben wir immer häufiger, wie geschichtliche Fakten im öffentlichen Raum simplifiziert, umgedeutet oder sogar verfälscht werden. Es findet sich auch manch ein europäischer Politiker, der fordert, dass diese abstrusen Geschichtsauslegungen in den Schulunterricht eingebaut werden sollen. So äusserte sich Björn Höcke (AfD) zur deutschen Bewältigungspolitik: „Wir brauchen nichts anderes als eine erinnerungspolitische Wende um 180 Grad.“

In Russland wurde sie bereits zum Teil umgesetzt. So erleben wir von Neuem einen Stalinkult. Nach einer Umfrage des russischen Lewada-Instituts bekommt Josef Stalin in der Kategorie „herausragendste Persönlichkeit aller Zeiten“ den ersten Platz zugewiesen, und überholt so Vladimir Putin und Peter den Grossen.

Die Uni hat sich der Gleichberechtigung verschrieben. Was Geflüchtete betrifft, ist sie jedoch noch weit davon entfernt. Von Fabienne Lehmann

Jeder hat das Recht auf Bildung». So steht es in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte von 1948, Absatz 26. Dieser Grundsatz scheint selbsterklärend, ja in einem stabilen demokratischen Rechtstaat wie der Schweiz selbstverständlich. Doch kann die Universität Basel tatsächlich von sich behaupten, diesem Prinzip gerecht zu werden? Gerade den zweiten Teil dieses Absatzes, den ich im Folgenden noch erläutern werde, scheint die Uni Basel besonders im Umgang mit Geflüchteten mit akademischem Hintergrund keineswegs so umzusetzen.

Hier also ein kurzer Überblick darüber, mit was für Hürden und Stolpersteinen geflüchtete Menschen auf dem verwegenen Trampelpfad der akademischen «Gleichberechtigung» zu kämpfen haben und was die Universität Basel dabei für eine Rolle einnimmt.

In seinem Buch «Retroland» untersucht der Historiker Valentin Groebner verschiedene Formen von Geschichtstourismus. Ein Genuss. Von Luca Thoma

«Dieser Ort ist eine Zeitkapsel».[1] Tourismus boomt. Ein grosser Teil der Branche stützt sich auf Angebote, die vorgeben – einer Zeitkapsel ähnlich – Geschichte zu präservieren und den geneigten Besucher an authentische historische Orte zu führen, wo dieser in die Vergangenheit eintauchen darf.

Doch gibt es sie überhaupt, die eine Geschichte? Und wie authentisch sind Orte wie die Luzerner Altstadt oder die Notre-Dame-Kathedrale in Paris, die im Laufe der Geschichte vielfältig modifiziert und angepasst wurden? 

Gedanken zur Extremisierung der Gesellschaft am Beispiel Amerikas. Von Nicolas Neuenschwander

Betrachtet man die Entwicklungen in den letzten Jahren, dann kommt man nicht umhin festzustellen, dass der politische Diskurs im Allgemeinen mit immer gewaltsameren Mittel geführt wird. Man kommt nicht umhin festzustellen, dass es bei allen grösseren Demonstrationen der letzten Zeit (Paris, Hongkong und allgemein in den USA) meist zu gewaltsamen Ausschreitungen kam. Gleichzeitig werden auch immer häufiger politische Meinungen, die nicht der moralisch akzeptierten Meinung entsprechen, unter Umständen mittels Gewalt unterdrückt. In diesem Text soll sich dieser Thematik anhand des Beispiels der Attacke gegen Andy Ngo in Portland am 29. Juni 2019 angenommen werden.

Mit Ansätzen der Disability Studies Konzeptionen von Freiheit neu denken. Von Christina Zinsstag

Die Disability Studies sind noch ein sehr junges, akademisches Fach. Wie viele neue akademische Gebiete, wie etwa die Gender Studies und die Postcolonial Studies, verdanken sie ihre Existenz unermüdlichem Aktivismus, der nicht nur soziale Ungleichheiten sichtbar gemacht und angeprangert hat, sondern auch grundlegende Prämissen in unserem Denken und Handeln in Frage stellt. Im Folgenden wird gezeigt wie zwei US-amerikanische Aktivistinnen bürgerlich-liberale Konzeptionen von „Freiheit“ konfrontieren.

Ein Problem der Mediävisten? Von Iulia Malaspina

Neulich war ich daran, mich mit einer bestimmten Periode des Mittelalters auseinanderzusetzen. Ich versuchte, zu rekonstruieren, was in einem bestimmten Land in zwei besonders dunkeln Jahrhunderten passiert ist. Dunkel waren diese Jahrhunderte, weil sie fast nichts hinterlassen haben – nämlich:

  • Eine schriftliche Quelle – eine! In zweihundert Jahren… – die zudem total verworren ist und in apokalyptischen Tönen von Katastrophen, Seuchen und Unglücken spricht.
  • Ein paar Knochen hier und da, die zudem auf tausend verschiedene Weisen begraben sind.
  • Ein Paar Glasscherben und zwei oder drei Broschen. Das war’s.