Kulturelle Aneignung und deren Folgen

Immer wieder werden Designer und Künstler beschuldigt, sich bei ihren Design an anderen Kulturen bedient zu haben. Symbole und Muster anderer Kulturen werden für Kleidungsdesigns verwendet, Religiöse Abbildnisse werden als Marketingstrategie verwendet und traditionell gefertigte Schmuckstücke billig in grossen Mengen nachproduziert und günstig verkauft. All das sind Beispiele von kultureller Aneignung. Doch so einfach ist es nicht. Kann einer Kultur etwas genommen werden und was ist eigentlich kulturelle Aneignung? Von Sarah Sauter

Im November letzten Jahres machte die französische Designerin Isabel Marant Schlagzeilen. Nach einem Vorwurf der kulturellen Aneignung, ausgesprochen von der mexikanischen Kulturministerin Alejandra Frausto Guerrero, muss sich die Designerin bei der Purépecha- Gemeinschaft und Mexico entschuldigen. Frausto hatte der Designerin vorgeworfen in ihrer „Étoile Isabel Marant- Kollektion“ für den Herbst 2020 „Elemente der Kultur und Identität der Völker und Gemeinschaften Mexicos“ zu verwenden. Das Gabin Cape würde auf Muster und Designs indigener mexikanischer Gemeinschaften wie der Purépecha aus Michoacàn zurückgreifen.  Die Kulturministerin kritisiert weiter, dass die Modebranche häufig bei ihren Entwürfen auf verschiedene Gemeinschaften und Traditionen zurückgreift und es dabei versäumt die Gemeinschaft, von der sie sich bedient haben bzw. von der sie inspiriert wurden miteinzubeziehen und dadurch den Schöpfern/innen etwas zurückzugeben (1). Dieser Vorfall ist in der Debatte der kulturellen Aneignung kein Einzelfall. 

Eine Studienreise der Universität Basel nimmt uns mit zu den Überresten eines jugoslawischen Umerziehungslagers. Die Gruppe entdeckt nicht nur Zeugnisse der Angst und Qual aus den 50ern, sondern beschäftigt sich auch mit der Erinnerungskultur Kroatiens. Sie berichten von der Wichtigkeit der professionellen, geschichtswissenschaftlichen Arbeit, an einem Ort, wo deren Ausbleiben bereits mehr als sichtbar ist. Von Katarina Penčić

Als wir uns am 1. September auf den Nachtzug nach Zagreb begaben, hatten wir bereits eine mehr oder weniger konkrete Vorstellung von unserem Reiseziel. Denn während des Frühjahrssemesters 2021 haben wir uns im Vertiefungskurs «Kroatisch/Serbisch» literarisch, filmisch und historisch mit der Thematik auseinandergesetzt. Jeden Mittwochnachmittag verbrachten wir also gedanklich auf und mit der Insel. Doch was hat es mit der kroatischen Insel “Goli otok” auf sich und wieso sind wir so weit gereist um sie zu besuchen?

Nicht alle Nationalhelden sind fiktive Figuren wie unser Wilhelm Tell. Als historische Persönlichkeiten prägen sie ihre jeweiligen Gesellschaften bis heute. Es lohnt sich daher ein Blick darauf, wie zwei ehemals kommunistische Länder mit ihren Nationalhelden umgehen. Von Benjamin Bieri

Es ist ein ruhiger Ort im lauten Belgrad. Auf einer Hügelkuppe über der Stadt. Heute Titos Mahnmal. Titos ehemalige Wohnstatt. Eindrücklich, aber nicht protzig, wie Tito. Einige Bilder zeugen vom Staatsbegräbnis, an dem so viele Staatsoberhäupter wie nie zuvor teilgenommen haben. Josip Broz Tito. Tito: Den Beinamen, mit dem heute alle auf ihn verweisen, bekam er angeblich als Anführer der antifaschistischen Partisanen, da er bekannt dafür war, Befehle nur mit den zwei Worten ti (du) und to (das) zu geben.

Drei Tipps zum Schreiben eines Romans

Viele von uns haben schon darüber nachgedacht, ein Buch zu schreiben. Vielleicht hat man sogar eine Idee, aber weiss dann nicht weiter. Wie kreiert man einen Charakter? Wie entsteht die Handlung von einem Buch? Wie schreibt man überhaupt eine zusammenhängende Szene? Hier erkläre ich, wie ich das Schreiben angehe und Liebesgeschichten sowie Fantasyromane verfasse. Von Delia Christ

Mit einer Idee allein schreibt man noch kein Buch. Neben Kreativität und etwas Zeit braucht man meiner Meinung nach vor allem Disziplin und Motivation, um ein Buch zu schreiben. Doch wie kann man mehrere hundert Seiten mit Dialogen, Szenen und Beschreibungen füllen, sodass eine zusammenhängende Geschichte daraus entsteht? Es gibt so viele Strategien, ein Buch zu schreiben, wie es Autor/innen gibt. Hier formuliere ich drei Tipps dazu, wie ich das Schreiben angehe und Liebesgeschichten sowie Fantasyromane kreiere.

Vaporwave, ist ein vergessenes Musikgenre wieder beliebt? Und wieso ist die 80er Nostalgie wieder in? Von Julia Northfleet

Was ist Vaporwave?

Vaporwave ist ein Musikgenre, welches bis zum heutigen Tag im Untergrund geblieben ist und nie in den Mainstream kam. Es entstand in den späten 2000er und ist eine reine Geburt des Internets. In erster Linie spricht man, wenn es um Vaporwave geht, über Musik. Doch zu dem Musikgenre gehören auch Ästhetik und ein politisches Statement, welche man nicht vom Musikgenre wegdenken kann. Mit der Ästhetik und Musik wird die Sehnsucht nach den guten alten Zeiten, als alles noch einfach war, ausgedrückt. In Musikvideos und Kunst werden Gegenstände aus den 80er und frühen 90er Jahren gezeigt, wie Videospielkonsolen, Computer, VHS Kassetten und Fernseher. Alles Gegenstände, die heutzutage nicht denselben Wert einnehmen, wie in der damaligen Zeit. Vaporwave löst in vielen eine Nostalgie aus, insbesondere bei denjenigen, die ihre Kindheit in den 80er und 90er Jahren verbracht haben. 

Im ersten Artikel der Reihe haben wir die Impfmentalität in der Schweiz genauer unter die Lupe genommen. In diesem Artikel soll es nun um die Sicht der Israeli auf die Impfsituation in ihrem Land gehen. Von Sofia Thai und Noëmi Blättler

In Israel wurden schon rund 10 Mio. Impfdosen an die Bevölkerung verabreicht, wobei 62% der Israeli schon doppelt geimpft sind (Stand: 30. April 2021, Ritchie et al., 2021). Alle Restaurants haben offen und Anlässe im Freien mit bis zu 10’000 geimpften Personen sind erlaubt. Die israelische Regierung diskutiert nun, ob die Maskenpflicht auch in Innenräumen aufgehoben werden soll.

Israel ist der Schweiz sowohl in der Impfkampagne wie auch auch in der Einführung vom Impfpass meilenweit voraus. Doch wie ist die Stimmung der Bevölkerung in beiden Ländern? Von Noëmi Blättler und Sofia Thai

Impfung – ein Thema, das seit der Erfindung des ersten Impfstoffs gegen die Infektionskrankheit Pocken immer wieder strittig diskutiert wird. Die Bekämpfung der Pocken durch Impfung wurde zum Vorbild für einen weiteren Umgang mit Infektionskrankheiten. Trotzdem wird die Sicherheit der Impfung seit den letzten Jahren immer mehr diskutiert.

Der sprunghafte Anstieg von Flüchtlingen, die 2015/16 in die EU kamen, hat diverse Mängel im europäischen Asylsystem offen gelegt. Im Dezember 2018 war ich zwei Wochen im Nordwesten von Bosnien-Herzegovina, um mir persönlich ein Bild der Folgen dieser verfehlten Migrationspolitik zu machen. Von Nils Wenzler

Velika Kladuša ist eine kleine Stadt im Nordwesten von Bosnien-Herzegowina. Sie ist eine von mehreren Städten im Balkan, wo sich die verfehlte Migrationspolitik Europas exemplarisch zeigt. Eine grosse Zahl von Schutz suchenden Personen sind hier gestrandet, in der Hoffnung eines Tages in der EU Asyl zu beantragen.

Sie sind aktuell in aller Munde, bei einigen höchst wohlwollend, bei anderen mit grosser Abneigung: die Verschwörungstheorien. Doch wovon sprechen wir eigentlich, wenn wir diesen Begriff verwenden? Ein Erklärungsansatz nach Michael Butter. Von Lisa Kwasny

Menschen in deinem Umfeld erwähnen in einem Nebensatz plötzlich, dass die Coronazahlen möglicherweise gefälscht sind? Jemand hat auf deine Hauswand «Plandemie» geschrieben? Oder deine Mutter leitet dir Telegram-Nachrichten weiter, welche «beweisen», dass Impfen unfruchtbar macht? Diese Erfahrungen teilen aktuell viele Menschen. Die Corona-Pandemie hat das Gros der Verschwörungstheorien von den Rändern der Gesellschaft in die Mitte zurückgeholt. Doch warum?

In einer Zeit, wo die Russische Föderation zehntausende Soldaten an der ukrainischen Grenze sammelt, konnte die Explosion eines tschechischen Munitionslagers aufgeklärt werden. 2014 explodierte das Munitionslager in Vrbĕtice (Deutsch: Wirbietitz), dabei starben zwei Menschen. Heute Abend wurde von der tschechischen Regierung bekannt gegeben: Hinter der Explosion steckten russische Agenten. Womöglich sogar dieselben russischen Agenten, die hinter dem Giftanschlag auf Sergei Skripal stehen. Von Tomas Marik

Am 16. Oktober 2014 explodierte im Munitionslagerkomplex Vrbĕtice das erste Munitionslager mit der Nummer 16, am 3. Dezember desselben Jahres explodierte das zweite Munitionslager mit der Nummer 12. Der Komplex wurde von der Firma Imex Group aus Ostrava angemietet.[1] Von den beiden Explosionen waren insgesamt 1329 Hektar Land betroffen. Obwohl man damals nicht vom Zufall, sondern von einer Fremdeinwirkung ausging, war noch niemandem klar, dass heute (17.04.2021) der tschechische Premier Minister Andrej Babiš (ANO 2011) und der Vizeminister, der Minister für innere Angelegenheiten und zur Zeit auch der Aussenminister Jan Hamáček (Sozialdemokraten) den russischen Militärnachrichtendienst GRU (Glawnoje Raswedywatelnoje Uprawlenije) dafür verantwortlich machen werden. Dies geht aus den Untersuchungen des tschechischen Sicherheitsdienstes hervor.

Unrealistische Vorstellungen in unseren Köpfen verhindern beim Klimaschutz den Blick aufs Ganze. Von Servan Luciano Grüninger

Vorgefasste Meinungen führen uns oft in die Irre. Das gilt besonders für ein Thema wie den Klimaschutz, der seit Jahrzehnten von verschiedenen wissenschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Akteuren bearbeitet wird. Dementsprechend viele irreführenden Behauptungen und Vorstellungen haben sich mittlerweile in den Köpfen der Menschen festgesetzt.

WGs sind unter Studierenden beliebt, denn sie sind günstig und bieten Gesellschaft. Letztes Jahr rückten diese Argumente allerdings in den Hintergrund, denn Corona veränderte die Wohnbedürfnisse grundlegend. Gerade den neuen Anforderungen des Studentenlebens scheint die WG nicht immer gerecht zu werden. Von Anniina Maurer

Mit dem Studium beginnen und von Zuhause ausziehen – das gehört für viele Studierende zusammen. Nicht selten begeben sie sich dann auf die Suche nach einer für sie passenden WG. Das Zusammenleben mit anderen hat schliesslich so manchen Vorteil, macht Spass und ist günstig.

Twitter ist seit den Wahlen in den USA von 2016 und insbesondere seit den Ereignissen um die Wahlen 2020, den Massnahmen des Konzerns bezüglich des Accounts @realdonaldtrump, den Sturm auf das Kapitol und die daraus resultierenden Debatten aus dem öffentlichen Diskurs nicht mehr wegzudenken. Von Nicolas Neuenschwander

Twitter wurde im März 2007 unter dem Management von Jack Dorsey erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt.[1] Seitdem hat sich Twitter Inc. immer stärker in unserem alltäglichen Leben verankert. Besonders in der politischen Sphäre kann die Signifikanz der Plattform nicht länger ignoriert werden.

Die meisten Schweizer Universitäten, inklusive die Universität Basel, arbeiten mit der Stiftung „Fondation Zdenek et Michaela Bakala“ zusammen. Dabei hat das tschechische Gericht unter Würdigung der gegebenen Umstände entschieden, dass es gerechtfertigt ist, den Gründer der Stiftung, Herrn Zdenek Bakala, als einen Gauner zu bezeichnen. Von Tomas Marik

Wer ist Zdenek Bakala?
Der tschechische Investor Zdenek Bakala besitzt laut Forbes eine dreiviertel Milliarde Schweizer Franken. Er wohnt in der Schweiz und ist ein Mitbesitzer des Eishockeys Teams Lausanne HC. Aus seinem Heimatland flüchtete er 1980 vor dem Kommunismus in die USA und studierte unter anderem an der University of California. Später arbeitete er bei der Credit Suisse. Nach der Samtenen Revolution kehrte er zurück nach Prag, um mit seinem marktwirtschaftlichen Wissen eine Investmentgesellschaft zu gründen, die er später verkaufte.

Die Schönheit ist Lust und Last des weiblichen Geschlechts. Was Spielwiese der eigenen Entfaltung sein könnte, ist eher Schlachtfeld der gesellschaftlichen Normen. Unerreichbare Ideale halten die verunsicherte Frau gefangen in einer Endlosschleife aus Versuchen und Versagen. Zeit, unsere Vorstellung von Schönheit selbst in die Hand zu nehmen. Von Jacqueline Fischer

Das siebzehn-jährige Ich, vor dem Spiegel: Der kritische Blick bleibt dort hängen, wo sich die Oberschenkel wie weiche Kissen aneinanderschmiegen, dort, wo eigentlich eine luftige Lücke sein sollte. Die Oberschenkel sind zu dick, denkt das Ich. Der Bauch? Zu dick. Die Brüste? Zu klein. Und dann wandert der Blick weiter nach oben, ins Gesicht. Er begutachtet die Nase, von vorne und im Profil und obwohl das Ergebnis immer dasselbe ist, ist es doch erschreckend: da sitzt eine Kartoffel im Gesicht. „Un patatino“, wie der Italienischlehrer einmal sagte. Kartoffelig rund sind auch die Backen. Von kantigen Wangenknochen keine Spur. Das Ich steht oft so vor dem Spiegel. Es stellt sich täglich auf die Waage. Verzichtet auf Essen, macht sich Wochenpläne, zählt Kalorien. Manchmal, wenn es schwach wird, isst es übermässig viel, stopft alles in sich hinein, was es finden kann. Das macht es heimlich, oft über mehrere Tage, Wochen oder Monate hinweg. Dann schämt und verkriecht es sich. Im Sommer nur lange Hosen, weite Shirts. Wenn andere baden gehen, geht es nach Hause.

Die Fas(t)nacht ist eine der faszinierendsten Festlichkeiten überhaupt. Gemeinhin bekannt: dass sie die Welt kopfüber stellt. Was aber, wenn die Welt schon kopfsteht? Ein Essay über die kritische Funktion der Fas(t)nacht und deren Entwicklung. Von Léonard Wiesendanger

Die Fastnacht, ursprünglich eine christliche Festivität vor Anbruch der Fastenzeit, ist ein Fest, das mit der öffentlichen Ordnung in besonderem Masse bricht. Sie ist mehr als eine einfache Ausseralltäglichkeit, denn sie geht ihren alltäglichen Gegensatz, den Status Quo, gerade auch den politischen und religiösen, spottend frontal an. Wie kein anderes gesellschaftliches Fest steht sie deshalb zur gesellschaftlichen Ordnung in Opposition.

Der Hype um das aufkommende Forschungsgebiet der Neurowissenschaften – Neues Wissen, neue Techniken, neue Verfahren. Was bieten neue Therapietechniken wie Neurofeedback wirklich? Eine Analyse am Beispiel der Schizophrenie. Von Anja Blaser

Neuro-Was? Neurowissenschaften ist vielen noch ein Fremdwort. Nach und nach nimmt dieser Begriff, welcher die naturwissenschaftlichen Forschungsbereiche rund um Aufbau und Funktionsweise von Nervensystemen bezeichnet, an Bedeutung zu und mit ihm auch die Wichtigkeit der neusten Technologien und Verfahren aus dieser Disziplin. Dazu gehört auch das Neurofeedback.

In der modernen Berufswelt müssen wir viele Entscheidungen treffen, was aufregend sein kann, manchmal aber auch ganz schön einschüchternd. Von Vanessa Thai

In der sich heutzutage schnell verändernden Arbeitswelt mit ihren immer neuen Herausforderungen fühlt man sich nicht allzu selten als junge Erwachsene oder junger Erwachsener überfordert. Dies vor allem beim Übergang von der Komfortzone Universität in das Ungewisse. Nicht umsonst wird Student/innen geraten, während dem Studium bereits praktische Erfahrungen zu sammeln, damit man nicht nur mit theoretischem Wissen versucht, eine Stelle anzutreten. Die absolute Jobgarantie hat man aber nie, egal wie gut man sich vorbereitet. Deswegen gibt es theoretisch eigentlich immer Luft nach oben mit Weiterbildungen, anderen Studiengängen etc. 

Die derzeit oft gesehenen Demonstrationen von sogenannten Coronaleugner*innen kommen mit einer gewissen revolutionären Symbolik daher. Im Anschluss an unseren letzten Beitrag stellt sich nun denn die Frage: Lassen sich die Protestbekundungen gegen die Coronamassnahmen als zivilen Ungehorsam verstehen? Und wenn ja, sind sie deshalb legitim? Von Lisa Kwasny

Es ist eine gruselige Formation, die hier durch Bern zieht. Menschen in weissen Schutzanzügen und mit Masken trotten durch die Innenstadt. Aus einer Stereoanlage klingt eine blecherne Stimme. «Unser Atem tötet. Sicher bist du nur in der Isolation. Fügt euch der Normalität. Verratet eure Nachbarschaft. Maskenpflicht ein Leben lang. Umerziehungslager für Maskenverweigerer.» Dass diese Aktion an die Dystopie «1984» von George Orwell erinnert, scheint gewollt. Die Kommentare auf YouTube weisen darauf hin, dass das die Zukunft sein werde, wenn man nicht aufpasst. Es ist offensichtlich: Das ist eine Protestaktion von Coronaleugner*innen. 

Ziviler Ungehorsam. Dem Begriff schwingt ein Hauch Revolution mit. Er ruft Bilder hervor, von Protesten, Plakaten und emotionalen Reden; Martin Luther King, Aktionskunst, Pussy Riot, Gandhi, Klimajugend und Menschen, die sich von der Polizei wegtragen lassen. Doch was davon ist wirklich ziviler Ungehorsam? Und was wäre es, wenn es kein ziviler Ungehorsam ist? Von Lisa Kwasny

Der Begriff «ziviler Ungehorsam» sagt schon einiges über sein Wesen aus. Es soll ein anständiger Ungehorsam, ausgeführt von Einwohner*innen eines Staates, sein. Man begegnet dem Begriff ‘zivil’ auch im Wort ‘Zivilisation’ oder im ‘zivilisierten Verhalten’. Ungehorsam bezeichnet die Praxis, durch die bewusst gegen bestehende Normen gehandelt oder Gesetze gebrochen werden. ‘Ziviler Ungehorsam’ scheint eher ein seltsames Wortpaar zu sein, wenn man genauer darüber nachdenkt. Wie kann ein Gesetzesbruch anständig sein, wenn doch die Gesetzestreue als Grundvoraussetzung des anständigen Bürgers gilt?

Keine Massenarbeitslosigkeit, sondern Jobpolarisierung und individualisierte Lebensumstände. Wie der technologische Wandel unsere Arbeitswelt verändert und warum das bedingungslose Grundeinkommen keine Universallösung ist. Von Remo Agovic und Guido Baldi

Der Prozess der Automatisierung und Digitalisierung schreitet mit rasantem Tempo voran. In der öffentlichen Diskussion werden neben utopischen Visionen einer arbeitsfreien Zukunft auch düstere Zukunftsbilder gezeichnet. In den Medien lassen sich immer wieder Titel finden wie „Roboter nehmen uns die Arbeit weg: Müssen wir sie bekämpfen?“ oder „In 25 Jahren werden 47 Prozent der Jobs verschwunden sein – und auch eurer ist nicht sicher.“ Oft wird argumentiert, dass als Folge einer drohenden Massenarbeitslosigkeit ein bedingungsloses Grundeinkommen eingeführt werden soll – also ein fester und für alle gleicher Betrag, den alle erwachsenen Individuen ohne Bedingungen und Kontrolle erhalten. Doch droht überhaupt eine Massenarbeitslosigkeit? Und ist ein bedingungsloses Grundeinkommen ein geeignetes Mittel dagegen?

Wir verbringen die meiste Zeit im Studium damit. Nichts fasst unsere Studienzeit besser zusammen. Eine Selbstverständlichkeit. Hinter ihrem Schleier gewinnt im Kontext der medialen Umwälzung ein kleines Wörtchen an Profil. Von Léonard Wiesendanger

lesen ist ein unscheinbares Wort, klein und alltäglich. Ebenso unscheinbar ist die Praxis, die wir Lesenden mit dem Wort verbinden. lesen ist im doppelten Sinne alltäglich: dass wir weder Wort noch Tätigkeit zur Kenntnis nehmen. Im Studium nehmen wir das Wort lesen so hin, wie die Erwartung der Dozierenden diesen oder jenen Text auf nächste Woche … zu haben, in derselben unscheinbaren Weise wie Du diesen Text …, beiläufig und ohne einen weiteren Gedanken.

Gedichte sind mehr als die verstaubte Maturalektüre, die man Wort für Wort analysieren musste. Ein Liebesbrief an die Poesie. Von Sophie De Stefani

Poesie. Keine andere Kunstform lässt so tief in das Innenleben des Künstlers blicken wie du. Mit dir entblösst er sich vor der Welt, lässt uns an seinen intimsten Gedanken teilhaben, wenn er über die Liebe, den Tod oder die Einsamkeit schreibt.

Studieren ist nicht gleich Studium und will gelernt sein. Eine paar Gedanken zum neuen Semester. Von Léonard Wiesendanger

Ich habe Schiller gelesen. Eine akademische Antrittsrede. Wer sich für sie interessiert, bitte, sie liest sich gut und schnell; die Rede soll mir hier nur als Einstieg dienen: weil ich aber weder Philosoph noch thätiger Weltmann bin und mir meine edle Wißbegierde leider nicht selten abhandenkommt, damit auch mein Zugang zu den reichen Quellen edelsten Vergnügens, schreibe ich hier keine Antrittsrede, sondern belasse es bei einem Versuch. Dieser darf gerne halbherzig sein. Unzulänglichkeiten sind seine Form.

Verschwörungstheorien sind im Trend. Noch trendiger sind ihre Vertreter wie beispielsweise der Historiker und selbsternannte Friedensforscher Daniele Ganser. Der Versuch einer Annäherung an das Phänomen und ein Plädoyer dafür, sich ab und an mit Verschwörungstheorien zu beschäftigen. Von Mara Dieterle

Sie sind ein weites Feld, die Verschwörungstheorien. Und sie sind ein Minenfeld. Trotzdem ist es wert, sich ab und an vertiefter mit ihnen auseinanderzusetzen. Seit einiger Zeit (sogar seit einigen Jahren) mache ich in meinem persönlichen Umfeld immer wieder Erfahrungen, die mein Interesse an dieser Thematik wecken.

Der politische Philosoph Mikhail Minakov über Modernisierung und Demodernisierung in OsteuropaVon Oliver Sterchi und Luca Thoma

Die Post Colonial Studies beschäftigen sich meist mit Afrika, Lateinamerika oder Asien. In den letzten Jahren haben verschiedene Osteuropahistoriker versucht, das Konzept auch auf das östliche Europa anzuwenden. «Osteuropa» wird dabei weniger als fixer geographischer Raum verstanden, sondern vielmehr als eine bestimmte Ausprägung von historischen Erfahrungen.

Die Entstehungsgeschichte der Basler Wohngenossenschaft Gundeldingen. Von Sarah Leonie Durrer

Die Basler Wohngenossenschaft Gundeldingen erstrahlt nach einer umfassenden Fassadenrenovation wieder im ursprünglichen Rotton ihres Gründungsjahres 1926. Die rote Farbe, die mäanderartige Struktur des um zwei Höfe angelegten Baus und die als klein wahrgenommenen Fenster trugen der Genossenschaft in der Basler Bevölkerung den Namen «Sing-Sing» nach dem gleichnamigen Gefängnis in den USA ein.

In Nordmazedonien beschwört die Elite die vermeintliche antike Vergangenheit des Landes und baut die Hauptstadt um. Ob das gut geht? Von Tomas Marik

In letzter Zeit erleben wir immer häufiger, wie geschichtliche Fakten im öffentlichen Raum simplifiziert, umgedeutet oder sogar verfälscht werden. Es findet sich auch manch ein europäischer Politiker, der fordert, dass diese abstrusen Geschichtsauslegungen in den Schulunterricht eingebaut werden sollen. So äusserte sich Björn Höcke (AfD) zur deutschen Bewältigungspolitik: „Wir brauchen nichts anderes als eine erinnerungspolitische Wende um 180 Grad.“

Gedanken zur Extremisierung der Gesellschaft am Beispiel Amerikas. Von Nicolas Neuenschwander

Betrachtet man die Entwicklungen in den letzten Jahren, dann kommt man nicht umhin festzustellen, dass der politische Diskurs im Allgemeinen mit immer gewaltsameren Mittel geführt wird. Man kommt nicht umhin festzustellen, dass es bei allen grösseren Demonstrationen der letzten Zeit (Paris, Hongkong und allgemein in den USA) meist zu gewaltsamen Ausschreitungen kam. Gleichzeitig werden auch immer häufiger politische Meinungen, die nicht der moralisch akzeptierten Meinung entsprechen, unter Umständen mittels Gewalt unterdrückt. In diesem Text soll sich dieser Thematik anhand des Beispiels der Attacke gegen Andy Ngo in Portland am 29. Juni 2019 angenommen werden.

Mit Ansätzen der Disability Studies Konzeptionen von Freiheit neu denken. Von Christina Zinsstag

Die Disability Studies sind noch ein sehr junges, akademisches Fach. Wie viele neue akademische Gebiete, wie etwa die Gender Studies und die Postcolonial Studies, verdanken sie ihre Existenz unermüdlichem Aktivismus, der nicht nur soziale Ungleichheiten sichtbar gemacht und angeprangert hat, sondern auch grundlegende Prämissen in unserem Denken und Handeln in Frage stellt. Im Folgenden wird gezeigt wie zwei US-amerikanische Aktivistinnen bürgerlich-liberale Konzeptionen von „Freiheit“ konfrontieren.

Ein Problem der Mediävisten? Von Iulia Malaspina

Neulich war ich daran, mich mit einer bestimmten Periode des Mittelalters auseinanderzusetzen. Ich versuchte, zu rekonstruieren, was in einem bestimmten Land in zwei besonders dunkeln Jahrhunderten passiert ist. Dunkel waren diese Jahrhunderte, weil sie fast nichts hinterlassen haben – nämlich:

Heute streiken schweizweit Frauen für mehr wirtschaftliche Gleichheit. Eine gute Gelegenheit auf die Vergangenheit zurückzublicken. Im Gespräch mit meiner Mutter und Grossmutter habe ich mich auf eine ganz persönliche Zeitreise begeben. Von Mara Dieterle

Als ich vor gut drei Wochen meine Grossmutter fragte, ob sie mir ein wenig aus ihrem Leben erzählen wolle, war ihre Antwort – ganz in manierlicher Bescheidenheit – «Ja, erzählen kann ich schon, wenn du das möchtest». Ich glaube, ich habe sie mit meiner Idee etwas überrumpelt. Aber der Gedanke ging mir einfach nicht mehr aus dem Kopf: Am 14. Juni wird wieder gestreikt – für Lohngleichheit, die Anerkennung von Sorge- und Pflege-Arbeit und weil es nach wie vor in vielen Bereichen mit der Gleichstellung der Geschlechter zu langsam voran geht. Während ich diese Anliegen teile, umtreiben mich als Geschichtsstudentin vor allem auch folgende Fragen: Wie war es früher? Was hat sich verändert?

Ein historischer Rückblick zum Frauenstreik. Von Fabienne Lehmann

Heute vor genau 28 Jahren, riefen Frauen in der Schweiz das erste und seither letzte Mal zum nationalen Streik auf. Zu Tausenden bevölkerten sie öffentliche Plätze in den Städten, zogen in violetten Strömen durch die Strassen und zwangen das alltägliche Treiben zum Stillstand. Dieser Frauenstreik war die grösste politische Mobilisierung, die seit dem landesweiten Generalstreik von 1918 in der Schweiz stattgefunden hatte. Ein kurzer Rückblick auf diesen Tag soll aufzeigen, weshalb und wofür die Frauen damals auf die Strasse gingen.

Wie die Restitutions-Debatte zu einer Diskussion über unser globales Selbstverständnis führen könnte – ein Besuch im Museum der Kulturen in Basel. Von Céline Burget und Christina Zinsstag

Begibt man sich auf einen Gang durch die Ausstellung Wissensdrang trifft Sammelwut des Museums der Kulturen in Basel, überrascht mitten unter den bunten Exponaten eine leere Fläche. Der beiliegende Text erklärt, dass hier ein tjurunga ausgestellt werden sollte. Ein Objekt aus Zentral-Australien, welches von den Arrerente, der Herkunftsgemeinschaft, als geheim und heilig gehandelt wird. Deswegen hat das Museum beschlossen, das Objekt zu thematisieren, ohne es zu zeigen.
Im Rahmen dieser Ausstellung fand am 5. Juni unter dem Titel Wer braucht diese Maske? eine Führung mit anschliessender Podiumsdiskussion statt. An der Diskussion beteiligt waren die Museumsdirektorin Dr. Anna Schmid, Prof. Dr. Elisio Macamo (Universität Basel) und Prof. Dr. Gesine Krüger (Universität Zürich). Zwei Mitglieder der Redaktion nahmen an der Veranstaltung teil und berichteten aus gegebenem Anlass von den Überlegungen und Eindrücken des Abends.  

Einige Erläuterungen zur Herkunft des Begriffs. Von Christina Zinsstag

Das Jetzt steht für einen Moment, der keine Dauer hat. Es ist, in der Logik der linearen Zeit, Teil einer ewigen Abfolge der immer gleichen leeren Einheiten, nie wirklich, nie vollständig da, sondern immer schon gewesen oder kommend. Es markiert einen ständig schwindenden Übergang von Vergangenheit und Zukunft. Folgen wir dieser Logik, so muss gefragt werden, ob so etwas wie das ‚Jetzt‘ überhaupt existiert[1]. Doch das Jetzt ist keine leere, vorübergehende Einheit, sondern hochkomplex, denn es ist die Prämisse für unsere zeitliche Verordnung: Es markiert den Punkt von welchem aus andere Zeit-Modi gedacht werden können, es setzt den zeitlichen Gesichtspunkt, von welchem aus Vergangenheit und Zukunft überhaupt erst sichtbar werden. Deshalb existiert nichts ausserhalb des Gegenwärtigen, sondern ist nur darin enthalten[2]. Auch die Perspektive der Historikerin[3] ist immer geprägt von ihrem Jetzt und wird so selbst zu einem Gegenstand der Geschichtswissenschaft.

Wie Jan Matejko mit seinen monumentalen Gemälden die Vorstellungen von der polnischen Geschichte prägte. Von Oliver Sterchi

Es gilt als das bekannteste Gemälde Polens: Jan Matejkos Schlacht bei Grunwald (polnisch: Bitwa pot Grunwaldem). Das monumentale Bild entstand 1878, ist über vier Meter hoch und über neun Meter breit und hängt heute an prominenter Stelle im Nationalmuseum in Warschau, wo es täglich von unzähligen polnischen Schulklassen betrachtet wird. Keine Hauptstadt-Exkursion ohne einen Besuch im Künstlerpantheon der Nation. Matejko, der vornehmlich in Krakau wirkte, verarbeitet in seinem Gemälde die historische Schlacht von Grunwald im Jahre 1410, bei der die Truppen des polnischen Königs Wladyslaw II. Jagiello den Deutschen Orden unter dem Kommando Ulrichs von Jungingen besiegten.