Vom Steinenberg, über die Holzrampe, durchs Fenster, direkt hinein ins Schwimmbad von São Paolo. Von hier aus kann in die „Access for all“ Ausstellung im S AM Schweizerischem Architekturmuseum eingetaucht werden. Fotografien, Filmbeiträge, Architekturpläne, Zeichnungen, Modelle und Interviews zeigen hier die sozialen Infrastrukturen São Paulos. Von Sarah Sauter

Der sprunghafte Anstieg von Flüchtlingen, die 2015/16 in die EU kamen, hat diverse Mängel im europäischen Asylsystem offen gelegt. Im Dezember 2018 war ich zwei Wochen im Nordwesten von Bosnien-Herzegovina, um mir persönlich ein Bild der Folgen dieser verfehlten Migrationspolitik zu machen. Von Nils Wenzler

Velika Kladuša ist eine kleine Stadt im Nordwesten von Bosnien-Herzegowina. Sie ist eine von mehreren Städten im Balkan, wo sich die verfehlte Migrationspolitik Europas exemplarisch zeigt. Eine grosse Zahl von Schutz suchenden Personen sind hier gestrandet, in der Hoffnung eines Tages in der EU Asyl zu beantragen.

Die von der Forschungsgruppe ‘Datenbanken und Informationssysteme’ entwickelte GoFind!-App lädt ein zu einer Zeitreise. Möglich machen das raffinierte Suchsysteme, die Bilder der Vergangenheit zurück in die Gegenwart holen. Von Anniina Maurer

In der Zeit zurück zu reisen und das historische Basel zu erleben, das wünschen sich wohl so einige. Begnügen müssen sie sich aber mit Quellen, welche die Geschichte der Stadt festhielten. Glücklicherweise gibt es davon einige. Die Bilder, Pläne und Aufnahmen liegen jedoch irgendwo in Bibliotheken oder Archiven und müssen auch dort entdeckt werden. Was aber, wenn Quellen direkt vor Ort abrufbar wären? Dort, wo sie früher entstanden? Die GoFind!-App soll das möglich machen. Sie erlaubt den Nutzenden, historische Ansichten unterwegs zu betrachten. Dank Augmented Reality fügen sich die Darstellungen in die gegenwärtige Umgebung ein und zeigen, wie derselbe Standort früher aussah.

Snowboarderin Jessica erzählt, wie sie ihren Traum zum Beruf macht und gleichzeitig auf Nichts verzichten muss. Leistungssport und Studium lassen sich unter ein Hut bringen und es macht verdammt viel Spass! Von Tomas Marik

Jessica Keiser ist eine professionelle Snowboardfahrerin. Sie hat eine sehr erfolgreiche Wintersaison hinter sich. Sie repräsentierte die Schweiz in der Disziplin Snowboard Alpin bei den Weltmeisterschaften in Slowenien und konnte sich zweimal unter den Top 15 platzieren. Jetzt, wo der Winter vorbei ist, schaut sie zurück auf ihre Saison und erzählt von den Herausforderungen, die der Spitzensport und das Studieren mit sich bringen.

Sie sind aktuell in aller Munde, bei einigen höchst wohlwollend, bei anderen mit grosser Abneigung: die Verschwörungstheorien. Doch wovon sprechen wir eigentlich, wenn wir diesen Begriff verwenden? Ein Erklärungsansatz nach Michael Butter. Von Lisa Kwasny

Menschen in deinem Umfeld erwähnen in einem Nebensatz plötzlich, dass die Coronazahlen möglicherweise gefälscht sind? Jemand hat auf deine Hauswand «Plandemie» geschrieben? Oder deine Mutter leitet dir Telegram-Nachrichten weiter, welche «beweisen», dass Impfen unfruchtbar macht? Diese Erfahrungen teilen aktuell viele Menschen. Die Corona-Pandemie hat das Gros der Verschwörungstheorien von den Rändern der Gesellschaft in die Mitte zurückgeholt. Doch warum?

In einer Zeit, wo die Russische Föderation zehntausende Soldaten an der ukrainischen Grenze sammelt, konnte die Explosion eines tschechischen Munitionslagers aufgeklärt werden. 2014 explodierte das Munitionslager in Vrbĕtice (Deutsch: Wirbietitz), dabei starben zwei Menschen. Heute Abend wurde von der tschechischen Regierung bekannt gegeben: Hinter der Explosion steckten russische Agenten. Womöglich sogar dieselben russischen Agenten, die hinter dem Giftanschlag auf Sergei Skripal stehen. Von Tomas Marik

Am 16. Oktober 2014 explodierte im Munitionslagerkomplex Vrbĕtice das erste Munitionslager mit der Nummer 16, am 3. Dezember desselben Jahres explodierte das zweite Munitionslager mit der Nummer 12. Der Komplex wurde von der Firma Imex Group aus Ostrava angemietet.[1] Von den beiden Explosionen waren insgesamt 1329 Hektar Land betroffen. Obwohl man damals nicht vom Zufall, sondern von einer Fremdeinwirkung ausging, war noch niemandem klar, dass heute (17.04.2021) der tschechische Premier Minister Andrej Babiš (ANO 2011) und der Vizeminister, der Minister für innere Angelegenheiten und zur Zeit auch der Aussenminister Jan Hamáček (Sozialdemokraten) den russischen Militärnachrichtendienst GRU (Glawnoje Raswedywatelnoje Uprawlenije) dafür verantwortlich machen werden. Dies geht aus den Untersuchungen des tschechischen Sicherheitsdienstes hervor.

Der Osteuropahistoriker Karl Schlögel über Putin, Propaganda und die Rolle des Historikers im öffentlichen Diskurs. Von Oliver Sterchi und Luca Thoma

Herr Schlögel, die Spannungen zwischen Russland und dem Westen nehmen seit dem Ausbruch der Ukraine-Krise 2014 beständig zu. Russlands militärisches Eingreifen in Syrien trägt Zeichen eines Stellvertreterkrieges. Befinden wir uns in einem neuen Kalten Krieg?

Ich denke, dass die Bezeichnung Kalter Krieg hier nicht zutrifft. Mit dem Begriff des Kalten Krieges bezeichnete man die symmetrische Opposition zweier Supermächte, namentlich der USA und der Sowjetunion. Diese Symmetrie erzeugte eine Art Gleichgewicht des Schreckens und machte die Lage somit berechenbar. Was wir heute haben, ist eine völlig andere Situation. Die Welt ist nicht mehr bipolar, sondern multipolar. Es gibt heute mehrere Machtpole, was die Lage viel komplexer und unübersichtlicher macht. Ich möchte betonen, dass es sich dabei um eine gänzlich neue Situation handelt. Deshalb halte ich die Rede von der Rückkehr des Kalten Krieges nicht für angemessen.

Unrealistische Vorstellungen in unseren Köpfen verhindern beim Klimaschutz den Blick aufs Ganze. Von Servan Luciano Grüninger

Vorgefasste Meinungen führen uns oft in die Irre. Das gilt besonders für ein Thema wie den Klimaschutz, der seit Jahrzehnten von verschiedenen wissenschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Akteuren bearbeitet wird. Dementsprechend viele irreführenden Behauptungen und Vorstellungen haben sich mittlerweile in den Köpfen der Menschen festgesetzt.

WGs sind unter Studierenden beliebt, denn sie sind günstig und bieten Gesellschaft. Letztes Jahr rückten diese Argumente allerdings in den Hintergrund, denn Corona veränderte die Wohnbedürfnisse grundlegend. Gerade den neuen Anforderungen des Studentenlebens scheint die WG nicht immer gerecht zu werden. Von Anniina Maurer

Mit dem Studium beginnen und von Zuhause ausziehen – das gehört für viele Studierende zusammen. Nicht selten begeben sie sich dann auf die Suche nach einer für sie passenden WG. Das Zusammenleben mit anderen hat schliesslich so manchen Vorteil, macht Spass und ist günstig.

Twitter ist seit den Wahlen in den USA von 2016 und insbesondere seit den Ereignissen um die Wahlen 2020, den Massnahmen des Konzerns bezüglich des Accounts @realdonaldtrump, den Sturm auf das Kapitol und die daraus resultierenden Debatten aus dem öffentlichen Diskurs nicht mehr wegzudenken. Von Nicolas Neuenschwander

Twitter wurde im März 2007 unter dem Management von Jack Dorsey erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt.[1] Seitdem hat sich Twitter Inc. immer stärker in unserem alltäglichen Leben verankert. Besonders in der politischen Sphäre kann die Signifikanz der Plattform nicht länger ignoriert werden.

Der Übergang vom Studium ins Berufsleben ist eine aufregende und wichtige Phase in unserem Leben. Für Absolventen geisteswissenschaftlicher Fächer gibt es jedoch oft viele Hürden zu überwinden. Von Saida Tron

Im September 2020 war es endlich so weit: Bei einer wegen Corona etwas abgespeckten Diplomfeier wurde mir und anderen Absolventen der Uni Basel der Titel «Master of Arts» verliehen. Zu diesem Zeitpunkt hatten viele meiner Kollegen längst einen krisenfesten Plan für ihre berufliche Zunft geschmiedet (z.B. Lehrer werden).

Die meisten Schweizer Universitäten, inklusive die Universität Basel, arbeiten mit der Stiftung „Fondation Zdenek et Michaela Bakala“ zusammen. Dabei hat das tschechische Gericht unter Würdigung der gegebenen Umstände entschieden, dass es gerechtfertigt ist, den Gründer der Stiftung, Herrn Zdenek Bakala, als einen Gauner zu bezeichnen. Von Tomas Marik

Wer ist Zdenek Bakala?
Der tschechische Investor Zdenek Bakala besitzt laut Forbes eine dreiviertel Milliarde Schweizer Franken. Er wohnt in der Schweiz und ist ein Mitbesitzer des Eishockeys Teams Lausanne HC. Aus seinem Heimatland flüchtete er 1980 vor dem Kommunismus in die USA und studierte unter anderem an der University of California. Später arbeitete er bei der Credit Suisse. Nach der Samtenen Revolution kehrte er zurück nach Prag, um mit seinem marktwirtschaftlichen Wissen eine Investmentgesellschaft zu gründen, die er später verkaufte.

Die Schönheit ist Lust und Last des weiblichen Geschlechts. Was Spielwiese der eigenen Entfaltung sein könnte, ist eher Schlachtfeld der gesellschaftlichen Normen. Unerreichbare Ideale halten die verunsicherte Frau gefangen in einer Endlosschleife aus Versuchen und Versagen. Zeit, unsere Vorstellung von Schönheit selbst in die Hand zu nehmen. Von Jacqueline Fischer

Das siebzehn-jährige Ich, vor dem Spiegel: Der kritische Blick bleibt dort hängen, wo sich die Oberschenkel wie weiche Kissen aneinanderschmiegen, dort, wo eigentlich eine luftige Lücke sein sollte. Die Oberschenkel sind zu dick, denkt das Ich. Der Bauch? Zu dick. Die Brüste? Zu klein. Und dann wandert der Blick weiter nach oben, ins Gesicht. Er begutachtet die Nase, von vorne und im Profil und obwohl das Ergebnis immer dasselbe ist, ist es doch erschreckend: da sitzt eine Kartoffel im Gesicht. „Un patatino“, wie der Italienischlehrer einmal sagte. Kartoffelig rund sind auch die Backen. Von kantigen Wangenknochen keine Spur. Das Ich steht oft so vor dem Spiegel. Es stellt sich täglich auf die Waage. Verzichtet auf Essen, macht sich Wochenpläne, zählt Kalorien. Manchmal, wenn es schwach wird, isst es übermässig viel, stopft alles in sich hinein, was es finden kann. Das macht es heimlich, oft über mehrere Tage, Wochen oder Monate hinweg. Dann schämt und verkriecht es sich. Im Sommer nur lange Hosen, weite Shirts. Wenn andere baden gehen, geht es nach Hause.

Eine Sexarbeiterin erzählt von ihrem Alltag im Stripclub, von respektvollen und nicht ganz so respektvollen Kunden und wie sie durch ihren Job zu neuem Selbstbewusstsein fand. Von Amber Eve

„Ja, aber… du verkaufst ja deinen Körper.“

Ich habe Sophia soeben erzählt, dass ich als Stripperin arbeite. Wie die meisten Frauen reagiert sie darauf mit einer sonderbaren Mischung aus Faszination und Abscheu. Ich atme tief ein und aus. Schon so oft habe ich diesen Satz gehört oder im Zusammenhang mit meinem Job gelesen, und finde ihn… schwachsinnig. Als ich das letzte Mal nachgesehen habe, war mein Körper nämlich noch da und ich konnte frei darüber bestimmen, was ich damit mache, vor wem, und wie lange. Und für wieviel Geld.

Die Fas(t)nacht ist eine der faszinierendsten Festlichkeiten überhaupt. Gemeinhin bekannt: dass sie die Welt kopfüber stellt. Was aber, wenn die Welt schon kopfsteht? Ein Essay über die kritische Funktion der Fas(t)nacht und deren Entwicklung. Von Léonard Wiesendanger

Die Fastnacht, ursprünglich eine christliche Festivität vor Anbruch der Fastenzeit, ist ein Fest, das mit der öffentlichen Ordnung in besonderem Masse bricht. Sie ist mehr als eine einfache Ausseralltäglichkeit, denn sie geht ihren alltäglichen Gegensatz, den Status Quo, gerade auch den politischen und religiösen, spottend frontal an. Wie kein anderes gesellschaftliches Fest steht sie deshalb zur gesellschaftlichen Ordnung in Opposition.

Der Hype um das aufkommende Forschungsgebiet der Neurowissenschaften – Neues Wissen, neue Techniken, neue Verfahren. Was bieten neue Therapietechniken wie Neurofeedback wirklich? Eine Analyse am Beispiel der Schizophrenie. Von Anja Blaser

Neuro-Was? Neurowissenschaften ist vielen noch ein Fremdwort. Nach und nach nimmt dieser Begriff, welcher die naturwissenschaftlichen Forschungsbereiche rund um Aufbau und Funktionsweise von Nervensystemen bezeichnet, an Bedeutung zu und mit ihm auch die Wichtigkeit der neusten Technologien und Verfahren aus dieser Disziplin. Dazu gehört auch das Neurofeedback.

In der modernen Berufswelt müssen wir viele Entscheidungen treffen, was aufregend sein kann, manchmal aber auch ganz schön einschüchternd. Von Vanessa Thai

In der sich heutzutage schnell verändernden Arbeitswelt mit ihren immer neuen Herausforderungen fühlt man sich nicht allzu selten als junge Erwachsene oder junger Erwachsener überfordert. Dies vor allem beim Übergang von der Komfortzone Universität in das Ungewisse. Nicht umsonst wird Student/innen geraten, während dem Studium bereits praktische Erfahrungen zu sammeln, damit man nicht nur mit theoretischem Wissen versucht, eine Stelle anzutreten. Die absolute Jobgarantie hat man aber nie, egal wie gut man sich vorbereitet. Deswegen gibt es theoretisch eigentlich immer Luft nach oben mit Weiterbildungen, anderen Studiengängen etc. 

Fast jeder hat den Namen Jacob Burckhardt schon mal gehört…Wirklich etwas damit anfangen, können aber nur wenige. Von Sophie De Stefani

Jede*r Geschichtsstudent*in in Basel wird eher früher als später den Namen Jacob Burckhardt zu hören bekommen. Der Geschichtsprofessor scheint für die Uni von grosser Bedeutung zu sein, und dies verwundert nicht, kennt man Jacob Burckhardt ja vor allem als „Erfinder der Renaissance“. Er flösste dem bis anhin kunstgeschichtlichen Begriff die Bedeutung ein, mit der wir ihn heute assoziieren: der Beginn des Individualismus, die Rückbesinnung auf die Antike und der Wandel des urbanen Lebens. Sein 1860 erschienenes Buch „Die Kultur der Renaissance in Italien – Ein Versuch“ gilt heute noch als Standardwerk für die Renaissance.

Die derzeit oft gesehenen Demonstrationen von sogenannten Coronaleugner*innen kommen mit einer gewissen revolutionären Symbolik daher. Im Anschluss an unseren letzten Beitrag stellt sich nun denn die Frage: Lassen sich die Protestbekundungen gegen die Coronamassnahmen als zivilen Ungehorsam verstehen? Und wenn ja, sind sie deshalb legitim? Von Lisa Kwasny

Es ist eine gruselige Formation, die hier durch Bern zieht. Menschen in weissen Schutzanzügen und mit Masken trotten durch die Innenstadt. Aus einer Stereoanlage klingt eine blecherne Stimme. «Unser Atem tötet. Sicher bist du nur in der Isolation. Fügt euch der Normalität. Verratet eure Nachbarschaft. Maskenpflicht ein Leben lang. Umerziehungslager für Maskenverweigerer.» Dass diese Aktion an die Dystopie «1984» von George Orwell erinnert, scheint gewollt. Die Kommentare auf YouTube weisen darauf hin, dass das die Zukunft sein werde, wenn man nicht aufpasst. Es ist offensichtlich: Das ist eine Protestaktion von Coronaleugner*innen. 

Ziviler Ungehorsam. Dem Begriff schwingt ein Hauch Revolution mit. Er ruft Bilder hervor, von Protesten, Plakaten und emotionalen Reden; Martin Luther King, Aktionskunst, Pussy Riot, Gandhi, Klimajugend und Menschen, die sich von der Polizei wegtragen lassen. Doch was davon ist wirklich ziviler Ungehorsam? Und was wäre es, wenn es kein ziviler Ungehorsam ist? Von Lisa Kwasny

Der Begriff «ziviler Ungehorsam» sagt schon einiges über sein Wesen aus. Es soll ein anständiger Ungehorsam, ausgeführt von Einwohner*innen eines Staates, sein. Man begegnet dem Begriff ‘zivil’ auch im Wort ‘Zivilisation’ oder im ‘zivilisierten Verhalten’. Ungehorsam bezeichnet die Praxis, durch die bewusst gegen bestehende Normen gehandelt oder Gesetze gebrochen werden. ‘Ziviler Ungehorsam’ scheint eher ein seltsames Wortpaar zu sein, wenn man genauer darüber nachdenkt. Wie kann ein Gesetzesbruch anständig sein, wenn doch die Gesetzestreue als Grundvoraussetzung des anständigen Bürgers gilt?

Hast du schon einmal von Noel Baba gehört? Oder warst du einmal mit einem Karpfen in der Badewanne baden? Weihnachten werden überall auf der Welt unterschiedlich gefeiert, vielleicht findest du hier deine neue Weihnachtstradition! Von Vanessa Thai, Irem Neseli und Tomas Marik

Japanische Weihnachten

Wenn du Weihnachten auf die japanische Art feiern möchtest, dann solltest du dich nicht etwa auf christliche Dekorationen einstellen, sondern auf fettige Finger und ganz viel Romanze. Wieso? Weil in Japan nämlich nicht die religiöse Seite gefeiert wird, sondern die kommerzielle Seite von Weihnachten: Essen, Feiern, Beleuchtungen usw. Denn der Anteil an Christen in Japan beträgt nur etwa 1%.  Deshalb wird Weihnachten dort nicht als Feiertag gezählt. Dennoch verfehlt es nicht ihre magische Wirkung, die sie vom Westen übernommen haben.

Sprechen wir über die weihnachtliche Bescherung, an der wir jedes Jahr teilhaben. Die Christen haben es erfunden, wir dürfen heute damit leben. Wir sagen Danke! Von Léonard Wiesendanger

Wer liebt es nicht, das Fest der Liebe? Die Geburt Jesu ist zwar vergessen (das ist nicht weiter schlimm), das Weihnachtsfest lebt sich aber fröhlich fort. Wir gehen längst nicht mehr zur Messe und besingen dieser Tage auch keine heilige Nacht. Stattdessen erfreuen wir uns des musikalischen Klimbims einer Weihnachtspop-Playlist von Spotify: eingängige Melodien, ein monoton auf das Trommelfell hämmernder Viervierteltakt und verzierende Schlittenglöckchen fürs Ambiente, Texte über Weihnachtsfreude und Liebe, so farblos wie der Schnee, der gleichfalls besungen wird. Von der Bibelgeschichte geblieben: ein Sternschnuppenmotiv auf den Fenstern und Balkonen mancher Leute. 

Keine Massenarbeitslosigkeit, sondern Jobpolarisierung und individualisierte Lebensumstände. Wie der technologische Wandel unsere Arbeitswelt verändert und warum das bedingungslose Grundeinkommen keine Universallösung ist. Von Remo Agovic und Guido Baldi

Der Prozess der Automatisierung und Digitalisierung schreitet mit rasantem Tempo voran. In der öffentlichen Diskussion werden neben utopischen Visionen einer arbeitsfreien Zukunft auch düstere Zukunftsbilder gezeichnet. In den Medien lassen sich immer wieder Titel finden wie „Roboter nehmen uns die Arbeit weg: Müssen wir sie bekämpfen?“ oder „In 25 Jahren werden 47 Prozent der Jobs verschwunden sein – und auch eurer ist nicht sicher.“ Oft wird argumentiert, dass als Folge einer drohenden Massenarbeitslosigkeit ein bedingungsloses Grundeinkommen eingeführt werden soll – also ein fester und für alle gleicher Betrag, den alle erwachsenen Individuen ohne Bedingungen und Kontrolle erhalten. Doch droht überhaupt eine Massenarbeitslosigkeit? Und ist ein bedingungsloses Grundeinkommen ein geeignetes Mittel dagegen?

Covid-19 hat unser aller Leben verändert. In der gesellschaftlichen Debatte über die psychisch-gesundheitlichen Folgen der Pandemie gehen Studierende oft vergessen. Wir geben drei Studierenden eine Stimme, die 2020 viel zu kämpfen hatten und ihre gegenwärtige Situation reflektieren. Von Tomas Marik

Das Jahr 2020 neigt sich langsam dem Ende zu. Impfung, Risikogruppe, Wuhan, Fallzahlen, Bergamo, „nur eine Grippe“, Maskenpflicht, Massnahmen und Verbot sind nur ein paar Schlagwörter, die sich wohl für eine lange Zeit in unser Bewusstsein eingebrannt haben. In der Mitte all dieser Begriffe steht Corona / Covid-19, ein Virus, der das Leben aller verändert oder auch beendet hat.

Wir verbringen die meiste Zeit im Studium damit. Nichts fasst unsere Studienzeit besser zusammen. Eine Selbstverständlichkeit. Hinter ihrem Schleier gewinnt im Kontext der medialen Umwälzung ein kleines Wörtchen an Profil. Von Léonard Wiesendanger

lesen ist ein unscheinbares Wort, klein und alltäglich. Ebenso unscheinbar ist die Praxis, die wir Lesenden mit dem Wort verbinden. lesen ist im doppelten Sinne alltäglich: dass wir weder Wort noch Tätigkeit zur Kenntnis nehmen. Im Studium nehmen wir das Wort lesen so hin, wie die Erwartung der Dozierenden diesen oder jenen Text auf nächste Woche … zu haben, in derselben unscheinbaren Weise wie Du diesen Text …, beiläufig und ohne einen weiteren Gedanken.

Gedichte sind mehr als die verstaubte Maturalektüre, die man Wort für Wort analysieren musste. Ein Liebesbrief an die Poesie. Von Sophie De Stefani

Poesie. Keine andere Kunstform lässt so tief in das Innenleben des Künstlers blicken wie du. Mit dir entblösst er sich vor der Welt, lässt uns an seinen intimsten Gedanken teilhaben, wenn er über die Liebe, den Tod oder die Einsamkeit schreibt.

Der Jetzt-Zeit Blog meldet sich nach einer etwas längeren Pause zurück mit der einen oder anderen Neuerung!

Hier die Auswahl an Leckerbissen: neues Logo, Präsenz auf Social Media (Facebook und Instagram) und – ganz wichtig! – in Zusammenarbeit mit dem Verein Reatch. Genannter nimmt sich zum Ziel, den wissenschaftlich-gesellschaftlichen Austausch zu fördern. Reatch betreibt mitunter einen Blog, auf welchem die von uns geschriebenen Artikel in Zukunft willkommen sind, vice versa finden ihre Artikel auf unserem Blog ein Zuhause. Unsere geschätzten Leser*innen erwartet somit eine breitere Palette von Artikeln, unsere geschätzten Schreiber*innen dürfen wiederum auf eine höhere Leserzahl hoffen.

Studieren ist nicht gleich Studium und will gelernt sein. Eine paar Gedanken zum neuen Semester. Von Léonard Wiesendanger

Ich habe Schiller gelesen. Eine akademische Antrittsrede. Wer sich für sie interessiert, bitte, sie liest sich gut und schnell; die Rede soll mir hier nur als Einstieg dienen: weil ich aber weder Philosoph noch thätiger Weltmann bin und mir meine edle Wißbegierde leider nicht selten abhandenkommt, damit auch mein Zugang zu den reichen Quellen edelsten Vergnügens, schreibe ich hier keine Antrittsrede, sondern belasse es bei einem Versuch. Dieser darf gerne halbherzig sein. Unzulänglichkeiten sind seine Form.

Verschwörungstheorien sind im Trend. Noch trendiger sind ihre Vertreter wie beispielsweise der Historiker und selbsternannte Friedensforscher Daniele Ganser. Der Versuch einer Annäherung an das Phänomen und ein Plädoyer dafür, sich ab und an mit Verschwörungstheorien zu beschäftigen. Von Mara Dieterle

Sie sind ein weites Feld, die Verschwörungstheorien. Und sie sind ein Minenfeld. Trotzdem ist es wert, sich ab und an vertiefter mit ihnen auseinanderzusetzen. Seit einiger Zeit (sogar seit einigen Jahren) mache ich in meinem persönlichen Umfeld immer wieder Erfahrungen, die mein Interesse an dieser Thematik wecken.

Der renommierte Journalist Jan Wehn hat gemeinsam mit seinem Kollegen Davide Bortot in einem umfangreichen Oral-History-Projekt die Geschichte des deutschsprachigen Raps aufgearbeitet. Das Buch wurde zum Kassenschlager. Von Luca Thoma

«Könnt ihr uns hören?» rekapituliert mit zahlreichen Gesprächspartnern die Geschichte von deutschsprachigem Rap in Interviewform. Das Buch wurde wider Erwarten zu einem grossen Erfolg und schaffte es auf die SPIEGEL-Bestseller-Liste. Gemeinsam mit vielen Rappern, die im Buch zu Wort kamen, tourten Wehn und Bortot, seines Zeichens ehemaliger Chefredaktor des führenden Branchen-Magazins JUICE, auf einer Lese-Tournee durch Deutschland.

Der politische Philosoph Mikhail Minakov über Modernisierung und Demodernisierung in OsteuropaVon Oliver Sterchi und Luca Thoma

Die Post Colonial Studies beschäftigen sich meist mit Afrika, Lateinamerika oder Asien. In den letzten Jahren haben verschiedene Osteuropahistoriker versucht, das Konzept auch auf das östliche Europa anzuwenden. «Osteuropa» wird dabei weniger als fixer geographischer Raum verstanden, sondern vielmehr als eine bestimmte Ausprägung von historischen Erfahrungen.

Die Entstehungsgeschichte der Basler Wohngenossenschaft Gundeldingen. Von Sarah Leonie Durrer

Die Basler Wohngenossenschaft Gundeldingen erstrahlt nach einer umfassenden Fassadenrenovation wieder im ursprünglichen Rotton ihres Gründungsjahres 1926. Die rote Farbe, die mäanderartige Struktur des um zwei Höfe angelegten Baus und die als klein wahrgenommenen Fenster trugen der Genossenschaft in der Basler Bevölkerung den Namen «Sing-Sing» nach dem gleichnamigen Gefängnis in den USA ein.

Von Veränderungen im Schweizer Wahlkampf. Von Nicolas Neuenschwander

Wir werden in der Schweiz bald ein neu zusammengesetztes Parlament bekommen, dies geht natürlich mit einem langen Wahlkampf einher. Doch dieses Jahr konnten verschiedene Veränderungen festgestellt werden, die in ihrer Art für die Schweiz sehr ungewöhnlich sind. Vor allem in den Plakatkampagnen der verschiedenen Parteien gab es dieses Jahr deutliche Unterschiede zu vergangenen Jahren. Diese Unterschiede sollen nun näher analysiert werden.

Die Öffnungszeiten der Unibibliothek sind eine Zumutung. Es wird Zeit, das Modell grundsätzlich zu überdenken. Von Oliver Sterchi

Wer schon ein bisschen länger Geschichte studiert, der weiss: Die Universitätsbibliothek ist der Dreh- und Angelpunkt des universitären Lebens. Während Erstis mit überfüllten Stundenplänen von einem Proseminar zum nächsten rennen, sitzen fortgeschrittene BA- und MA-Studierende vornehmlich in der Bib. Dort werden Arbeiten geschrieben, Bücher gelesen, Gedanken ent- und verworfen, Vorträge vorbereitet — kurzum: In der Bibliothek findet die Denk- und Schreibarbeit statt, die für das Studium an einer humanwissenschaftlichen Fakultät zentral ist.

Überlegungen zur Verwendung des generischen Femininum in schriftlichen Arbeiten – einige Argumentationslinien. Von Florian Zoller und Christina Zinsstag

Mit dem generischen Femininum ist die konsequente Verwendung des weiblichen statt des männlichen Substantives in Texten gemeint. Dies soll nicht heissen, dass männliche Nomen verweiblicht werden (etwa statt „der Roboter“ „die Roboterin“), sondern, dass beispielsweise bei Berufsbezeichnungen nicht nur die männliche, oder die weibliche und die männliche Form, sondern ausschliesslich die weibliche Form für alle Geschlechter verwendet wird. Dieser Artikel ist das Ergebnis einer schriftlich geführten Pro-und-Contra-Debatte zwischen den Autorinnen.

Auch literarische Texte bringen uns vergangene Lebenswelten näher. Doch was taugen sie in wissenschaftlicher Hinsicht? Von Sarah Durrer

Ein livrierter Liftboy und eine Fassade im modernen Sezessionsstil entführen Gäste des Hotels Savoy in Łódź auch heute noch in die Zwischenkriegszeit Polens. In einer ruhigen Seitenstrasse der geschäftigen Ulica Piotrkowska gelegen, bietet das Hotel Liebhabern originalgetreu eingerichteter Zimmer eine optimale Unterkunft. An die Zeit des Kabaretts Bi-Ba-Bo unter Mitarbeit von Julian Tuwim erinnert der heute zweckmässig eingerichtete Speisesaal jedoch nicht. Und dass das heute etwas verschlafene Hotel als Kulisse für einen spannenden Roman gedient hat, erschliesst sich dem heutigen Hotelgast auch nicht auf den ersten Blick.

In Nordmazedonien beschwört die Elite die vermeintliche antike Vergangenheit des Landes und baut die Hauptstadt um. Ob das gut geht? Von Tomas Marik

In letzter Zeit erleben wir immer häufiger, wie geschichtliche Fakten im öffentlichen Raum simplifiziert, umgedeutet oder sogar verfälscht werden. Es findet sich auch manch ein europäischer Politiker, der fordert, dass diese abstrusen Geschichtsauslegungen in den Schulunterricht eingebaut werden sollen. So äusserte sich Björn Höcke (AfD) zur deutschen Bewältigungspolitik: „Wir brauchen nichts anderes als eine erinnerungspolitische Wende um 180 Grad.“

In Russland wurde sie bereits zum Teil umgesetzt. So erleben wir von Neuem einen Stalinkult. Nach einer Umfrage des russischen Lewada-Instituts bekommt Josef Stalin in der Kategorie „herausragendste Persönlichkeit aller Zeiten“ den ersten Platz zugewiesen, und überholt so Vladimir Putin und Peter den Grossen.

Die Uni hat sich der Gleichberechtigung verschrieben. Was Geflüchtete betrifft, ist sie jedoch noch weit davon entfernt. Von Fabienne Lehmann

Jeder hat das Recht auf Bildung». So steht es in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte von 1948, Absatz 26. Dieser Grundsatz scheint selbsterklärend, ja in einem stabilen demokratischen Rechtstaat wie der Schweiz selbstverständlich. Doch kann die Universität Basel tatsächlich von sich behaupten, diesem Prinzip gerecht zu werden? Gerade den zweiten Teil dieses Absatzes, den ich im Folgenden noch erläutern werde, scheint die Uni Basel besonders im Umgang mit Geflüchteten mit akademischem Hintergrund keineswegs so umzusetzen.

Hier also ein kurzer Überblick darüber, mit was für Hürden und Stolpersteinen geflüchtete Menschen auf dem verwegenen Trampelpfad der akademischen «Gleichberechtigung» zu kämpfen haben und was die Universität Basel dabei für eine Rolle einnimmt.

In seinem Buch «Retroland» untersucht der Historiker Valentin Groebner verschiedene Formen von Geschichtstourismus. Ein Genuss. Von Luca Thoma

«Dieser Ort ist eine Zeitkapsel».[1] Tourismus boomt. Ein grosser Teil der Branche stützt sich auf Angebote, die vorgeben – einer Zeitkapsel ähnlich – Geschichte zu präservieren und den geneigten Besucher an authentische historische Orte zu führen, wo dieser in die Vergangenheit eintauchen darf.

Doch gibt es sie überhaupt, die eine Geschichte? Und wie authentisch sind Orte wie die Luzerner Altstadt oder die Notre-Dame-Kathedrale in Paris, die im Laufe der Geschichte vielfältig modifiziert und angepasst wurden? 

Gedanken zur Extremisierung der Gesellschaft am Beispiel Amerikas. Von Nicolas Neuenschwander

Betrachtet man die Entwicklungen in den letzten Jahren, dann kommt man nicht umhin festzustellen, dass der politische Diskurs im Allgemeinen mit immer gewaltsameren Mittel geführt wird. Man kommt nicht umhin festzustellen, dass es bei allen grösseren Demonstrationen der letzten Zeit (Paris, Hongkong und allgemein in den USA) meist zu gewaltsamen Ausschreitungen kam. Gleichzeitig werden auch immer häufiger politische Meinungen, die nicht der moralisch akzeptierten Meinung entsprechen, unter Umständen mittels Gewalt unterdrückt. In diesem Text soll sich dieser Thematik anhand des Beispiels der Attacke gegen Andy Ngo in Portland am 29. Juni 2019 angenommen werden.

Mit Ansätzen der Disability Studies Konzeptionen von Freiheit neu denken. Von Christina Zinsstag

Die Disability Studies sind noch ein sehr junges, akademisches Fach. Wie viele neue akademische Gebiete, wie etwa die Gender Studies und die Postcolonial Studies, verdanken sie ihre Existenz unermüdlichem Aktivismus, der nicht nur soziale Ungleichheiten sichtbar gemacht und angeprangert hat, sondern auch grundlegende Prämissen in unserem Denken und Handeln in Frage stellt. Im Folgenden wird gezeigt wie zwei US-amerikanische Aktivistinnen bürgerlich-liberale Konzeptionen von „Freiheit“ konfrontieren.

Ein Problem der Mediävisten? Von Iulia Malaspina

Neulich war ich daran, mich mit einer bestimmten Periode des Mittelalters auseinanderzusetzen. Ich versuchte, zu rekonstruieren, was in einem bestimmten Land in zwei besonders dunkeln Jahrhunderten passiert ist. Dunkel waren diese Jahrhunderte, weil sie fast nichts hinterlassen haben – nämlich:

  • Eine schriftliche Quelle – eine! In zweihundert Jahren… – die zudem total verworren ist und in apokalyptischen Tönen von Katastrophen, Seuchen und Unglücken spricht.
  • Ein paar Knochen hier und da, die zudem auf tausend verschiedene Weisen begraben sind.
  • Ein Paar Glasscherben und zwei oder drei Broschen. Das war’s.

Heute streiken schweizweit Frauen für mehr wirtschaftliche Gleichheit. Eine gute Gelegenheit auf die Vergangenheit zurückzublicken. Im Gespräch mit meiner Mutter und Grossmutter habe ich mich auf eine ganz persönliche Zeitreise begeben. Von Mara Dieterle

Als ich vor gut drei Wochen meine Grossmutter fragte, ob sie mir ein wenig aus ihrem Leben erzählen wolle, war ihre Antwort – ganz in manierlicher Bescheidenheit – «Ja, erzählen kann ich schon, wenn du das möchtest». Ich glaube, ich habe sie mit meiner Idee etwas überrumpelt. Aber der Gedanke ging mir einfach nicht mehr aus dem Kopf: Am 14. Juni wird wieder gestreikt – für Lohngleichheit, die Anerkennung von Sorge- und Pflege-Arbeit und weil es nach wie vor in vielen Bereichen mit der Gleichstellung der Geschlechter zu langsam voran geht. Während ich diese Anliegen teile, umtreiben mich als Geschichtsstudentin vor allem auch folgende Fragen: Wie war es früher? Was hat sich verändert?

Ein historischer Rückblick zum Frauenstreik. Von Fabienne Lehmann

Heute vor genau 28 Jahren, riefen Frauen in der Schweiz das erste und seither letzte Mal zum nationalen Streik auf. Zu Tausenden bevölkerten sie öffentliche Plätze in den Städten, zogen in violetten Strömen durch die Strassen und zwangen das alltägliche Treiben zum Stillstand. Dieser Frauenstreik war die grösste politische Mobilisierung, die seit dem landesweiten Generalstreik von 1918 in der Schweiz stattgefunden hatte. Ein kurzer Rückblick auf diesen Tag soll aufzeigen, weshalb und wofür die Frauen damals auf die Strasse gingen.

Wie die Restitutions-Debatte zu einer Diskussion über unser globales Selbstverständnis führen könnte – ein Besuch im Museum der Kulturen in Basel. Von Céline Burget und Christina Zinsstag

Begibt man sich auf einen Gang durch die Ausstellung Wissensdrang trifft Sammelwut des Museums der Kulturen in Basel, überrascht mitten unter den bunten Exponaten eine leere Fläche. Der beiliegende Text erklärt, dass hier ein tjurunga ausgestellt werden sollte. Ein Objekt aus Zentral-Australien, welches von den Arrerente, der Herkunftsgemeinschaft, als geheim und heilig gehandelt wird. Deswegen hat das Museum beschlossen, das Objekt zu thematisieren, ohne es zu zeigen.
Im Rahmen dieser Ausstellung fand am 5. Juni unter dem Titel Wer braucht diese Maske? eine Führung mit anschliessender Podiumsdiskussion statt. An der Diskussion beteiligt waren die Museumsdirektorin Dr. Anna Schmid, Prof. Dr. Elisio Macamo (Universität Basel) und Prof. Dr. Gesine Krüger (Universität Zürich). Zwei Mitglieder der Redaktion nahmen an der Veranstaltung teil und berichteten aus gegebenem Anlass von den Überlegungen und Eindrücken des Abends.  

Ein kritischer Essay über Uni-Rankings und ein Plädoyer für die Alma Mater Basiliensis. Von Oliver Sterchi

Willkommen an der besten Universität der Welt», pflegte der ehemalige Basler Rektor Antonio Loprieno bei seiner Begrüssungsansprache an die neuen Erstsemester in der Aula jeweils zu sagen. Diese Formulierung liess die Studierenden im Saal aufhorchen: «Echt jetzt, die beste Uni der Welt?!» Ungläubig schüttelten viele den Kopf. «So ein Quatsch!».

Einige Erläuterungen zur Herkunft des Begriffs. Von Christina Zinsstag

Das Jetzt steht für einen Moment, der keine Dauer hat. Es ist, in der Logik der linearen Zeit, Teil einer ewigen Abfolge der immer gleichen leeren Einheiten, nie wirklich, nie vollständig da, sondern immer schon gewesen oder kommend. Es markiert einen ständig schwindenden Übergang von Vergangenheit und Zukunft. Folgen wir dieser Logik, so muss gefragt werden, ob so etwas wie das ‚Jetzt‘ überhaupt existiert[1]. Doch das Jetzt ist keine leere, vorübergehende Einheit, sondern hochkomplex, denn es ist die Prämisse für unsere zeitliche Verordnung: Es markiert den Punkt von welchem aus andere Zeit-Modi gedacht werden können, es setzt den zeitlichen Gesichtspunkt, von welchem aus Vergangenheit und Zukunft überhaupt erst sichtbar werden. Deshalb existiert nichts ausserhalb des Gegenwärtigen, sondern ist nur darin enthalten[2]. Auch die Perspektive der Historikerin[3] ist immer geprägt von ihrem Jetzt und wird so selbst zu einem Gegenstand der Geschichtswissenschaft.

Wie Jan Matejko mit seinen monumentalen Gemälden die Vorstellungen von der polnischen Geschichte prägte. Von Oliver Sterchi

Es gilt als das bekannteste Gemälde Polens: Jan Matejkos Schlacht bei Grunwald (polnisch: Bitwa pot Grunwaldem). Das monumentale Bild entstand 1878, ist über vier Meter hoch und über neun Meter breit und hängt heute an prominenter Stelle im Nationalmuseum in Warschau, wo es täglich von unzähligen polnischen Schulklassen betrachtet wird. Keine Hauptstadt-Exkursion ohne einen Besuch im Künstlerpantheon der Nation. Matejko, der vornehmlich in Krakau wirkte, verarbeitet in seinem Gemälde die historische Schlacht von Grunwald im Jahre 1410, bei der die Truppen des polnischen Königs Wladyslaw II. Jagiello den Deutschen Orden unter dem Kommando Ulrichs von Jungingen besiegten.

Die Universität hat sich der Schaffung einer besseren (Um)welt verschrieben. Dabei ist sie jedoch alles andere als konsequent. Von Florian Zimmermann

Wer sich einmal im Frühlingssemester im Café des Kollegienhauses verpflegt hat, dem wird nicht entgangen sein, welchen Wandel dieses kleine Bistro in relativ kurzer Zeit durchlaufen hat. Am Kaffeeautomaten klebt ein laminierter Zettel mit dem dezenten Vorschlag, der Koffeinbedürftige könne natürlich auch seine eigene Tasse mitbringen und auf diese Weise zum Umweltschutz beitragen. Das frühere Plastikbesteck wurde durch Gabeln und Löffel aus biologisch abbaubarem Material ersetzt.